Irak Sprengköpfe mit Giftgas gefunden

Im Irak haben polnische Soldaten einem TV-Bericht zufolge 17 funktionsfähige Sprengköpfe mit Giftgas entdeckt. Bei dem Kampfstoff soll es sich um eine Art Senfgas handeln, der aus den achtziger Jahren stammt.


Polnische Soldaten im Irak: Kauf von 17 Giftgas-Sprengköpfen
REUTERS

Polnische Soldaten im Irak: Kauf von 17 Giftgas-Sprengköpfen

Warschau/Bagdad - Die Sprengköpfe enthielten eine dem Senfgas ähnliche Substanz, berichtete der polnische Fernsehsender TVN24 unter Berufung auf polnische Militärs. Wären sie bei einem möglichen Terroranschlag gegen die Besatzungstruppen eingesetzt worden, hätte das unabsehbare Folgen haben können, sagte der polnische Befehlshaber der multinationalen Truppe im Irak, General Mieczyslaw Bieniek, dem Sender. Die Waffen seien offenbar bereits zwischen 1981 und 1988 hergestellt worden.

Nach Angaben des polnischen Geheimdienst-Chefs der Armee, General Marek Dukaczewski wurden die Sprengköpfe von der polnischen Armee nicht gefunden, sondern bereits am 23. Juni gekauft und zwei Tage später US-Militärs übergeben. Nähere Angaben wurden über die Transaktion bislang nicht gemacht. Dukaczewski begründete den Kauf damit, dass Terroristen, um in den Besitz der gefährlichen Waffen zu gelangen, pro Stück 5000 Dollar bezahlen wollten.

Das Verteidigungsministerium in Warschau wartete offenbar mit der Veröffentlichung der Senfgas-Nachricht, weil man sich erst sicher über den Inhalt der Sprengköpfe sein wollte. Vergangenes Jahr hatte eine Falschmeldung über eine angebliche Raketenlieferung Deutschlands und Frankreichs in den Irak zu diplomatischen Spannungen geführt.

Ähnliche Chemiewaffen, wie die jetzt aufgetauchten, wurden unter Saddam Hussein gegen die Kurden im Nordirak und während des Iran-Irak-Krieges eingesetzt. Die US-Regierung hatte eine Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen als Hauptgrund für den Krieg gegen den Irak im vergangenen Jahr angeführt.



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