Irak-Strategie Obama wehrt sich gegen Wortbruch-Vorwürfe

Er hat sich widersprüchlich ausgedrückt - und versucht jetzt, den Schaden zu begrenzen: Vehement weist Barack Obama Vorwürfe zurück, er verabschiede sich von dem Versprechen, im Fall seiner Wahl innerhalb von 16 Monaten alle Kampftruppen aus dem Irak abzuziehen.


Fargo - Barack Obama wurde offenbar von der Wucht seiner jüngsten Aussagen überrascht. Er und auch seine außenpolitische Beraterin Susan Rice hatten in den vergangenen Tagen mehrfach den Eindruck erweckt, er verabschiede sich von seinem Plan, nach seinem möglichen Amtsantritt als Präsident innerhalb von 16 Monaten die US-Kampftruppen aus dem Irak abzuziehen. Der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain griff den Vorwurf des Wortbruchs auf. Den wies Obama jetzt entschieden zurück: Er sage jetzt nur, was er immer gesagt habe - nämlich dass der Krieg im Irak verantwortungsvoll zu Ende gebracht werden müsse.

Obama: Der Senator heizt die Rückzugsdebatte wieder an
AP

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Bei einem Wahlkampfauftritt in Fargo im US-Staat North Dakota gab er gleich zwei Pressekonferenzen, berichtet die "New York Times": Zuerst sagte er lediglich, nach seiner Reise nach Bagdad und Gesprächen mit den zuständigen US-Kommandeuren in diesem Sommer werde er seine Irak-Politik präzisieren. Wenige Stunden später schob er dann nach, es bleibe bei seinem Versprechen, am ersten Tag seiner Amtszeit als US-Präsident den Generalstab zusammenzurufen und ihm den Auftrag zu erteilen, "diesen Krieg zu beenden, verantwortlich und wohlüberlegt, aber entscheidend".

Der Zeitplan, im Fall seiner Wahl zum Präsidenten alle Kampftruppen innerhalb von 16 Monaten zurückzuziehen, stehe nicht zur Debatte, stellte er klar. Es gehe lediglich um die Frage, wie viele Resttruppen im Irak benötigt würden, um die irakischen Streitkräfte und die Polizei auszubilden und al-Qaida daran zu hindern, in dem Land wieder Fuß zu fassen.

Bei der ersten Pressekonferenz habe er sich "nicht klar genug" ausgedrückt, begründete Obama gegenüber der "New York Times" den zweiten Termin mit Journalisten in Fargo. Die Republikaner spotteten: Es sei nichts falsch daran, seine Meinung zu revidieren, wenn die Fakten sich geändert hätten, sagte Brian Rogers aus dem Team von McCain. Die Republikaner wollen die US-Soldaten bis 2013 im Irak belassen. Mit dieser Ansicht hatte McCain auch im Vorwahlkampf in seiner Partei gepunktet.

Einen Kurswechsel des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers hatte auch Obamas außenpolitische Beraterin Susan Rice am Mittwoch angedeutet. "Wir müssen uns immer noch unbedingt zurückziehen", hatte sie gesagt. Das werde jedoch in Abstimmung mit den Militärkommandeuren vor Ort erfolgen und in einer "verantwortungsvollen" Weise. Obama selbst hatte schon in der vergangenen Woche bei einem Wahlkampfauftritt keinen raschen Rückzug mehr in Aussicht gestellt. Verhalten sprach er von einem "schrittweisen" Prozess.

Noch im Wahlkampf der Demokraten gegen Hillary Clinton hatte er unermüdlich seinen frühen Widerstand gegen den Einmarsch unermüdlich hervorgehoben. Er versprach immer wieder, als Präsident die US-Truppen rasch aus dem Irak abzuziehen.

als/dpa



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