Irak Studie entlarvt Polizisten als brutal und korrupt

Eine geheime Untersuchung der irakischen Regierung über die Polizei des Landes hat zu einem erschreckenden Ergebnis geführt: Vergewaltigung, Misshandlung und Bestechlichkeit ist demnach bei Polizisten an der Tagesordnung.


Washington/Bagdad - Die Studie malt ein entsetzliches Bild über die Zustände bei der irakischen Polizei. In vielen Fällen würden Festgenommene tot geschlagen oder misshandelt und Frauen vergewaltigt. Das berichtet die "Los Angeles Times" heute unter Berufung auf ein irakisches Regierungsdokument, das von US-Ausbildern bestätigt worden sei. Missbrauch und Mord, verübt von Polizisten, ist demnach beängstigend weit verbreitet. Das mehrere hundert Seiten dicke Papier listet allein mehr als 400 Ermittlungen wegen Korruption auf - allein für den Zeitraum, in dem die Studie erstellt wurde: von Oktober 2005 bis Mai 2006.

Polizist in Bagdad: Keine Gnade mit Gefangenen
DPA

Polizist in Bagdad: Keine Gnade mit Gefangenen

Die detaillierte Untersuchung von Fällen hat der Studie zufolge auch die weit verbreitete Zusammenarbeit von irakischen Sicherheitskräften mit Aufständischen und Terroristen offen gelegt. Polizisten hätten beispielsweise "lebenswichtige Informationen" weiter gegeben und Terrorverdächtige gegen Bestechungsgelder frei gelassen. Polizisten hätten missliebige Offiziere gezielt getötet und selbst an Bombenanschlägen teilgenommen.

So listet die Untersuchung etwa einen Fall auf, in dem sich Bagdader Polizisten zu einem kriminellen Ring zusammengeschlossen hätten - inklusive mehrerer hochrangiger Offiziere. Sie sollen komplette Kommunikationseinrichtungen gestohlen und an Aufständische weitergegeben haben, die damit Fernzünder für Bomben gebaut haben sollen. In einem anderen Fall sollen hochrangige Polizisten und ein Richter Schmiergeld von einem Terrorverdächtigen angenommen haben. Berichtet wird auch von einem Fall, in dem ein Polizist in einer Polizeistation die Weste eines Selbstmordattentäters zur Explosion brachte.

Polizisten sollen auch hinter vielen der häufigen Entführungen stecken. Nicht selten kidnappen der Studie zufolge Polizisten ihre eigenen Kollegen.

Die meisten Vorwürfe gegen Polizisten drehen sich jedoch um Folter und Tötung von Gefangenen. Polizisten sollen teilweise dafür versteckte Gefängnisse angelegt haben. Freigelassen wurde der Untersuchung zufolge nur, wer ausreichend Geld zahlen konnte. Allein eine Brigade soll 650 Menschen illegal festgehalten haben.

Wenig verwunderlich ist das Verhältnis der Iraker zu ihrer Polizei: Das Vertrauen der Bevölkerung in die Polizei sei gering, heißt es.

ler/dpa



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