Machtkampf Sunniten drohen mit Teilung des Irak

Eine politische Lösung im Irak wird immer unwahrscheinlicher. Die Sunniten drohen Ministerpräsident Nuri al-Maliki mit Spaltung des Landes in drei Teile - einen kurdischen, einen schiitischen und einen sunnitischen.

Scheich Mohammed Taha al-Hamdun: "Dann wird es eben drei Staaten geben."
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Scheich Mohammed Taha al-Hamdun: "Dann wird es eben drei Staaten geben."


Bagdad - Die Sunniten im Irak stellen den irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki vor die Wahl: Entweder er billige eine autonome Regionalregierung in den mehrheitlich von sunnitischen Muslimen bewohnten Provinzen oder man werde dort einen unabhängigen Staat ausrufen.

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Heft 28/2014
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Der Sprecher der sunnitischen Protestbewegung gegen die von Schiiten dominierte irakische Führung, Scheich Mohammed Taha al-Hamdun, sagte: "Es gibt nur eine Lösung: drei Autonomieregierungen unter einer Flagge - eine der Kurden, eine der Schiiten und eine der Sunniten." Bagdad würde die gemeinsame Hauptstadt bleiben. Sollte Maliki auf diese Forderung jedoch nicht eingehen, "wird es eben drei Staaten geben". Die Autonomieregion Kurdistan im Nordirak hat mit den Vorbereitungen für ein Unabhängigkeitsreferendum bereits begonnen.

Das Parlament in Bagdad vertagte am Montag mangels Kompromiss eine für Dienstag geplante Sitzung zur Wahl einer neuen politischen Führung auf August. Damit bleibt das gefährliche Machtvakuum noch länger bestehen.

Die Bildung einer neuen Regierung mit einer größeren Beteiligung von Sunniten und Kurden gilt als Bedingung für ein Ende der Gewalt im Irak. Der amtierende schiitische Ministerpräsident Maliki hat angekündigt, sich für eine dritte Amtszeit zu bewerben. Seine Kandidatur ist allerdings auch unter Schiiten umstritten.

Bei Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Aufständischen ist ein hochrangiger Kommandeur der Streitkräfte getötet worden. In einer Erklärung Malikis hieß es am Montag, der Generalleutnant der sechsten Division, Abdullah Ali, sei "im Kampf gegen Terroristen" gestorben. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Sumaria News hatte ihn ein Heckenschütze östlich der Stadt Falludscha in der westlichen Provinz Anbar erschossen.

Die Krise des Landes wurde durch den Vormarsch radikaler Sunniten ausgelöst. Sie haben sich in "Islamischer Staat" umbenannt und ihren Anführer Abu Bakr al-Baghdadi zum Kalifen ausgerufen, nachdem ihre Bewegung große Teile des Nordirak erobert hatte.

fab/dpa/Reuters

insgesamt 55 Beiträge
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Seite 1
Aegir 07.07.2014
1. .
Vorschläge zur Dreiteilung des Irak gab es ja schon lange, allerdings bezweifle ich, dass es passiert. Der schiitische Teil des Irak, der Iran und die Regierung Syriens werden alle dagegen arbeiten, da ein sunnitischer (Gottes)Staat in der Region zu einem Stützpunkt für Dschihadisten werden könnte. Von daher bezweifle ich auch, dass diese Teilung langfristig Frieden schaffen würde.
pike3000 07.07.2014
2. Wäre sinnvoll wenn
diese Länder wieder ihre wahren Grenzen finden und nicht die beibehielten, welche ihnen die Imperialisten bei der Teilung des Osmanischen Reiches auferzwungen hätten.
Gerixxx 07.07.2014
3. Eine sinnvolle und konstruktive Drohung....
Zitat von sysopDPAEine politische Lösung im Irak wird immer unwahrscheinlicher. Die Sunniten drohen Ministerpräsident Nuri al-Maliki mit Spaltung des Landes in drei Teile - einen kurdischen, einen schiitischen und einen sunnitischen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/irak-sunniten-drohen-maliki-mit-abspaltung-a-979714.html
Wenn man schon früher zu dieser Einsicht gekommen wäre - vor allem seitens der wohlmeinenden "westlichen" Interventen - hätte viel Blutvergiessen vemieden werden können. Am allerbesten aber wäre es gewesen das Kunstgebilde Irak nach dem I. WK gar nicht erst mit diesen willkürlich gezogenen Grenzen ins Leben zu rufen.
slappy_hollow 07.07.2014
4.
Zitat von pike3000diese Länder wieder ihre wahren Grenzen finden und nicht die beibehielten, welche ihnen die Imperialisten bei der Teilung des Osmanischen Reiches auferzwungen hätten.
Das denke ich auch. Wenn keine die andere Seite unterdrücken kann, fällt schonmal viel Explosionsgefahr weg. Am besten sogar mit einem kleinen unbesetzten Grenzstreifen zwischen den einzelnen Gebieten.
robbstark2 07.07.2014
5.
Zitat von pike3000diese Länder wieder ihre wahren Grenzen finden und nicht die beibehielten, welche ihnen die Imperialisten bei der Teilung des Osmanischen Reiches auferzwungen hätten.
Was sollen denn bitte "wahre Grenzen" sein?
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