Irak Tausende US-Waffen verschwunden

Maschinengewehre, Pistolen, Granatwerfer - die USA vermissen Tausende Waffen, die in den Irak geliefert wurden. Weiteres Problem: Diese Waffen wurden nie registriert, können also auch nicht wiedergefunden werden.

Washington/Bagdad - Sie waren für irakische Sicherheitskräfte bestimmt und sind spurlos verschwunden: Fast vier Prozent der Waffen seien nicht mehr auffindbar, und bei etlichen weiteren fehlten wichtige Ersatzteile oder Gebrauchsanweisungen, heißt es in einer Rechnungsprüfung in Washington. Seit Beginn der Waffenlieferungen in den Irak Ende 2003 sind demnach 14.030 Waffen verschwunden, darunter halbautomatische Pistolen, Maschinengewehre und Granatwerfer.

Das Pentagon hat dem gestern veröffentlichten Bericht zufolge 133 Millionen Dollar (knapp 105 Millionen Euro) in die Waffenlieferungen an das Innen- und Verteidigungsministerium in Bagdad investiert. Bis Dezember sollten damit 325.500 Mann ausgerüstet werden. Unklar sei, ob die vermissten Lieferungen überhaupt an die irakischen Sicherheitskräfte gingen, heißt es in dem Bericht weiter.

Wieder auffindbar dürften sie kaum sein: Nur von etwa 10.000 der mehr als 370.250 zur Verfügung gestellten Waffen wurden die Seriennummern registriert, das sind weniger als drei Prozent.

Im Irak kam es auch heute zu Gewalt. Bei einem Bombenanschlag im Bagdader Stadtteil Sadr City starben mindestens 31 Menschen. Mehr als 100 weitere erlitten Verletzungen, teilte die Polizei mit. Der Sprengsatz detonierte am frühen Morgen auf einem Markt, als sich Schiiten gerade für Tagelöhnerarbeiten anstellten. Ersten Angaben zufolge handelte es sich um einen Selbstmordanschlag, in anderen Berichten war von einer an der Straße versteckten Bombe die Rede. Das überwiegend schiitische Viertel Sadr City gilt als Hochburg der Mahdi-Miliz, die für zahlreiche Übergriffe gegen Sunniten in der Hauptstadt verantwortlich gemacht wird.

Unterdessen hat der Vorsitzende der US-Demokraten, Howard Dean, erklärt, dass er auch bei einem Sieg bei den Kongresswahlen in einer Woche nicht mit raschen Änderungen in der Irak-Politik rechne. Selbst wenn die oppositionellen Demokraten nach der Wahl am 7. November im Repräsentantenhaus und im Senat in der Mehrheit seien, werde Präsident George W. Bush "noch immer für die Außenpolitik und die Streitkräfte verantwortlich sein", sagte Dean dem Fernsehsender CBS.

Er gehe nicht davon aus, dass die Demokraten "den Präsidenten plötzlich zu einem Kurswechsel zwingen", sagte Dean. Bei einem Wahlsieg könne die Partei lediglich Druck auf Bush ausüben, um "ein paar Richtgrößen, ein paar Zeitpläne" durchzusetzen. Viele Demokraten fordern einen Zeitplan für den Abzug der US-Soldaten aus dem Irak, was Bush aber kategorisch ablehnt.

Der Oktober war für die US-Truppen im Irak der blutigste Monat sei fast zwei Jahren: Gestern starb der 100. US-Soldat.

hen/dpa/AP

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