Irak Terroristen bekennen sich zu Anschlag auf Helikopter

Eine islamistische Terrorgruppe hat die Verantwortung für den Abschuss eines zivilen bulgarischen Helikopters im Irak übernommen. Bei dem Anschlag kamen alle elf Insassen ums Leben. Ein Mann, der den Absturz überlebte, soll von den Terroristen anschließend hingerichtet worden sein.


Abgeschossener Helikopter (TV-Aufnahme): Alle elf Insassen tot
AP

Abgeschossener Helikopter (TV-Aufnahme): Alle elf Insassen tot

Bagdad - Die Terror-Organisation Islamische Armee im Irak bekannte sich im Internet zu der Tat. Die Extremisten gaben an, ein Besatzungsmitglied habe den Absturz überlebt und sei dann getötet worden.

Eine Videoaufzeichnung auf der Internetseite zeigte scheinbar die brennenden Überreste des Hubschraubers. Daneben war auf einer grasbewachsenen Fläche ein liegender Mann in einem blauen Overall zu sehen, der um Hilfe rief. Außerhalb des Bildes halfen Extremisten dem Mann aufzustehen und befahlen ihm dann wegzugehen. Danach feuerten sie wiederholt Schüsse auf ihn ab und riefen "Allahu Akbar" (Gott ist groß). Auf dem Video, dessen Echtheit zunächst nicht bestätigt werden konnte, waren auch mehrere verkohlte Leichen zu sehen.

In der Mitteilung der Extremisten hieß es, der Mann sei getötet worden, um "die vor den Augen der Welt und auf den Fernsehschirmen ohne jeden Protest kaltblütig in den Moscheen von Falludscha getöteten Muslime zu rächen". Offenbar bezogen sich die Extremisten auf die Tötung eines schwer verletzten Irakers in einer Moschee von Falludscha im November. Vielfach war im Fernsehen gezeigt worden, wie ein US-Marineinfanterist den Mann tötete. Nach Einschätzung westlicher Menschenrechtsorganisationen könnte die Tat ein Kriegsverbrechen gewesen sein.

Die bulgarische Firma Heli Air sagte der Nachrichtenagentur Reuters, unter den Toten seien drei bulgarische Besatzungsmitglieder sowie sechs Passagiere aus den USA. Die beiden anderen Toten seien Wachleute, deren Nationalität nicht genannt wurde.

Der in Russland gebaute Helikopter sei von einer Panzerabwehrrakete getroffen worden, als er über eine verlassene Gegend nördlich der Hauptstadt Bagdad geflogen sei, teilten das US-Militär und Vertreter Bulgariens mit. Es ist den Angaben zufolge wahrscheinlich das erste Mal, dass ein ziviles Luftfahrzeug im Irak abgeschossen wurde.

Aufständische im Irak verübten bereits mehrfach Anschläge auf Militär-Hubschrauber. Dabei wurden einige Helikopter abgeschossen, so im November 2003 westlich von Bagdad. Damals kamen mindestens 16 US-Soldaten ums Leben, mehr als 20 wurden verletzt.



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