Irak Terroristen drohen mit Ermordung von sechs weiteren Geiseln

Die massiven Drohungen gegen Alliierte der USA im Irak reißen nicht ab. Jetzt kündigten Terroristen die Enthauptung mehrerer Ausländer an, sollten die Heimatländer der Männer nicht ihre Truppen abziehen. Bloß: Die betreffenden Staaten sind im Irak überhaupt nicht militärisch präsent.


Bagdad - In der Gewalt der Terroristen befinden sich der heute in Bagdad bekannt gewordenen Erklärung zufolge sechs Lkw-Fahrer, zwei Kenianer, drei Inder und ein Ägypter. Diese Länder haben keine Soldaten im Irak stationiert.

Die Terroristen fühlen sich offensichtlich in ihrem Tun bestätigt, nachdem die Enführung der philippinischen Geisel Erfolg zeitigte. Die Philippinen hatten ihre Truppen abgezogen, um das Leben einer Geisel zu retten. Gestern wurde der Mann, ebenfalls ein Lkw-Fahrer, freigelassen. Die USA, Australien und die irakische Übergangsregierung hatten das philippinische Vorgehen als Kapitulation vor Terroristen kritisiert, wodurch diese nur ermutigt würden.

Verschiedene islamistische Gruppen drohen nun außerdem im Internet mit Anschlägen in Japan, Bulgarien und Polen, sollten die Staaten ihre Truppen nicht aus dem Golfstaat abziehen. Heute richtete eine Gruppe, die sich als "europäischer Flügel der Qaida" bezeichnet, eine Drohung an Bulgarien und Polen. "Wir fordern die bulgarische Kreuzritter-Regierung, die die Amerikaner unterstützt, heute letztmalig zum Abzug ihrer Truppen aus dem Irak auf. Sonst werden wir in Bulgarien ein Blutbad anrichten", hieß es.

Die Bevölkerung Bulgariens solle ihre Regierung zum Abzug bewegen, sonst werde die "Sprache des Blutes ertönen, wie in Madrid, Washington und New York", hieß es mit Blick auf die Anschläge in den Städten. "Wir fordern Polen und seinen jämmerlichen Ministerpräsidenten Marek Belka auf: Zieht eure Truppen aus dem Irak ab oder euer Land wird, wann immer wir es wollen, von Explosionen erschüttert."

Die Regierung Bulgariens erklärte, es gebe keine Zeichen für eine direkte Gefährdung des Landes, Sicherheitsdienste überprüften aber die Drohung. Das Land hat etwa 450 Soldaten im Irak. Muslimische Extremisten hatten in diesem Monat einen Bulgaren enthauptet, nachdem die Regierung in Sofia die Forderung der Geiselnehmer nach einem Abzug der Soldaten abgelehnt hatte.

"Wir nehmen die Drohung sehr ernst", sagte der polnische Ministerpräsident Belka. Er fügte jedoch hinzu, sein Land habe bereits in der Vergangenheit derartige Drohungen verschiedener Gruppen erhalten. Geheimdiensterkenntnissen zufolge habe sich die Bedrohungslage in Polen nicht geändert. Das polnische Kontingent im Irak umfasst 2400 Mann.

Japan zeigte sich von den Drohungen unbeeindruckt. "Um den Irak wieder aufzubauen, ist es notwendig, unsere Unterstützung fortzusetzen und dem Terrorismus nicht nachzugeben", sagte ein Regierungssprecher. Gestern hatte auf einer islamistischen Internetseite eine Gruppe im Namen des Qaida-Verbündeten Abu Mussab al-Sarkawi mit Anschlägen in Japan gedroht.

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