Krise im Nordirak Uno startet Hilfsaktion für eine halbe Million Flüchtlinge
Flüchtlinge aus Tal Afar: Hilfslieferungen per Flugzeug und auf dem Landweg
Foto: SAFIN HAMED/ AFPGenf - Die Flugzeuge sollen unter anderem Zelte, Kanister, Plastikplanen und Lebensmittel nach Arbil und in die Umgebung der Stadt im Nordirak bringen. Am Mittwoch wollen die Vereinten Nationen eine Luftbrücke einrichten, sagte der Sprecher des Uno-Hilfswerks UNHCR, Adrian Edwards, am Dienstag in Genf. Damit sollen 500.000 Menschen versorgt werden - dies sei eine der bisher größten Hilfsaktionen des UNHCR, sagte er.
Vier Tage lang sollen nach Angaben des UNHCR-Sprechers Hilfsgüter vom jordanischen Akaba nach Arbil geflogen werden. Zudem würden in den kommenden zehn Tagen Hilfskonvois auf dem Landweg aus der Türkei und Jordanien in den Nordirak fahren. Auch Lieferungen aus Dubai über Iran seien geplant. Insgesamt sollen rund 3000 Zelte, 200.000 Plastikplanen, 18.500 Küchensets und 16.000 Kanister in den Nordirak gebracht werden.
Nach Angaben des Bürgermeisters von Arbil sind 1,7 Millionen Menschen vor der Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) geflüchtet, die einen Großteil des Nordirak unter ihre Kontrolle gebracht hat. Viele der Flüchtlinge seien in Hallen und Schulgebäuden untergebracht, aber Familien müssten auch immer wieder im Freien an Straßenrändern kampieren, sagte Nihad Latif Koja am Dienstag im Bayerischen Rundfunk. Nahrungsmittel seien knapp. "Jetzt allmählich haben wir die Lage unter Kontrolle", sagte er nach Angaben des Senders.
Am Montag waren im Nordirak weitere deutsche Hilfsgüter eingetroffen. Ein Transportflug mit Medikamenten und medizinischer Ausrüstung zur Versorgung von 20.000 Menschen für drei Monate sei in Arbil angekommen, teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit. Es habe auch Decken, Zelte und Wasserkanister an Bord gehabt. Die Hilfsgüter seien den Vereinten Nationen übergeben worden.
Irakische Armee meldet Offensive zur Rückeroberung von Tikrit
Die irakische Armee startete nach eigenen Angaben am Dienstag eine Offensive zur Vertreibung der IS-Milizen aus der Stadt Tikrit. Die Militäraktion begann nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa am Dienstagmorgen in der Region rund 170 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Bagdad. An der Operation sollen auch Kampfhubschrauber beteiligt sein.
Die IS-Extremisten hatten die Geburtsstadt des früheren Herrschers Saddam Hussein im Juni erobert. Mehrere Versuche des irakischen Militärs, die Stadt zurückzuerobern, scheiterten bislang.
Irak und Syrien: Gebiete unter IS-Kontrolle
Foto: DER SPIEGEL