Irak US-Bericht rügt Mängel beim Wiederaufbau

Das Chaos im Irak ist laut einer unabhängigen US-Untersuchung auch von einer unzureichenden Vorbereitung der Nachkriegszeit mitverursacht worden. Die Annahme, für den Wiederaufbau seien nicht mehr Truppen nötig als für die Invasion, halten die Gutachter für einen Fehler.


Bagdad/Washington - Die Planungen für den Wiederaufbau sollten den beträchtlichen Anstrengungen für den Krieg entsprechen, kritisieren die beiden ehemaligen Sicherheitsberater Samuel Berger und Brent Scowcroft.

Der Untersuchungsbericht bilanziert, zwei Jahre nach dem militärischen Sieg hätten die USA und die Iraker es noch immer nicht geschafft, in dem Land die Sicherheit wiederherzustellen. "Die Kosten, menschlich, militärisch und wirtschaftlich, sind hoch und werden weiter steigen", heißt es in dem vom amerikanischen "Rat für auswärtige Beziehungen" finanzierten Bericht. Es sei ein Fehler gewesen zu glauben, dass für den Wiederaufbau des Iraks nicht mehr Truppen nötig seien als für die Invasion. Der "Rat für auswärtige Beziehungen" ist eines der größten, unabhängigen Institute für internationale Politik in den USA. Berger war Nationaler Sicherheitsberater von Präsident Bill Clinton, Scowcroft hatte diese Funktion unter den republikanischen Präsidenten Gerald Ford und George Bush senior inne.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld traf heute überraschend in Bagdad ein. Rumsfeld rief bei seinem vorher nicht bekannt gegebenen Besuch die irakische Führung auf, sich gegen Einmischungen von Syrien und Iran konsequenter zur Wehr zu setzen. Den Nachbarstaaten müsse klar gemacht werden, dass ausländische Terroristen nicht länger die Grenzen überschreiten und die Staaten die Aufständischen nicht unterstützen dürften, sagte der US-Verteidigungsminister auf dem Flug nach Bagdad. Er wolle zudem die Iraker auffordern, mehr Sicherheitskräfte für die Bewachung der 15.000 Gefangenen im Land auszubilden.

Der irakische Ministerpräsident Ibrahim Dschaafari forderte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Rumsfeld einen zügigen Abzug der US-Truppen aus seinem Land. Er sagte, es sei an der Zeit, eine geordnete Übergabe der militärischen Kontrolle von den Amerikanern an die Iraker zu planen. Der Kommandeur der US-Truppen im Irak, General George Casey, hält den Beginn eines "ziemlich bedeutenden" Abzugs von US-Soldaten aus dem Land im kommenden Frühjahr und Sommer für möglich. Voraussetzung dafür seien andauernde Fortschritte im politischen Prozess, sagte der General. Außerdem dürfe sich der Aufstand nicht weiter ausweiten.

Gestern starben 16 Mitarbeiter der irakischen Regierung. Sie wurden beschossen, als sie in Bussen vom Industrieministerium nach Hause gebracht werden sollten. Bewaffnete folgten den Bussen in zwei Wagen und eröffneten das Feuer, wie die Behörden berichteten. 27 Passagiere erlitten Verletzungen. Bereits am Sonntagabend wurden in Bagdad vier US-Soldaten getötet, wie die Streitkräfte mitteilten. Ihr Fahrzeug wurde von einer Bombe am Straßenrand in die Luft gejagt.

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