Irak US-Geisel enthauptet

Extremisten haben im Irak eine amerikanische Geisel grausam ermordet. Der Terroristenführer Abu Musab al-Sarkawi soll dem Mann eigenhändig den Kopf abgeschnitten haben. Im Internet wurde ein entsprechendes Video veröffentlicht. In Washington hieß es, die Leiche von Eugene Armstrong sei geborgen worden.


US-Geisel Armstrong: Offenbar von Sarkawi eigenhändig ermordet
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US-Geisel Armstrong: Offenbar von Sarkawi eigenhändig ermordet

Bagdad - Auf dem neun Minuten langen Video ist die Enthauptung der amerikanischen Geisel zu sehen. Der jordanische Terroristenführer Abu Musab al-Sarkawi schnitt dem Mann, der in einem orangenfarbenen Anzug vor fünf Geiselnehmern kniete, offenbar persönlich mit einem Messer den Kopf ab. In dem Video erklärt er sich für die Tat verantwortlich.

Die von Sarkawi geführte Gruppe Tawhid und Dschihad hatte am Wochenende mit der Enthauptung der drei Geiseln - zweier Amerikaner und eines Briten - gedroht, sollten die in US-Gefängnissen inhaftierten irakischen Frauen nicht binnen 48 Stunden freigelassen werden. Das Ultimatum lief gestern Abend ab. Die Entführer verlängerten ihr Ultimatum nach der Bluttat dann aber bis heute Abend. Sollte ihrer Forderung nicht entsprochen werden, würden auch die beiden anderen Geiseln getötet.

Die Erklärung im Internet war mit Abu Maisara al-Iraki unterzeichnet. Unter diesem Pseudonym waren schon in der Vergangenheit Botschaften im Namen von Tawhid und Dschihad veröffentlicht worden. Die Gruppe verurteilte in einer weiteren Erklärung im Internet zwei Attentate auf Geistliche. In Bagdad waren innerhalb weniger Stunden am Sonntagabend und Montagmorgen zwei sunnitische Geistliche Mordanschlägen zum Opfer gefallen. Beide gehörten der einflussreichen Vereinigung Muslimischer Gelehrter an, die schon mehrfach bei Geiselnahmen als Vermittler auftrat.

Sarkawis Gruppe hat sich zu den meisten Selbstmordanschlägen im Irak seit dem Sturz Saddams im April bekannt. Sie hat mehrere Geiseln genommen und enthauptet, darunter im Mai einen US-Bürger und im Juni einen Südkoreaner. Sarkawi gilt als Statthalter des Qaida-Gründers Osama Bin Laden im Irak.

Unterdessen wurden 18 verschleppte Mitglieder der irakischen Nationalgarde von schiitischen Kämpfern freigelassen. Sie kamen damit einer Forderung des schiitischen Predigers Muktada al-Sadr nach.

Bush schließt raschen Abzug aus

US-Präsident Bush: "Die Lage im Irak ist verteufelt schwierig"
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US-Präsident Bush: "Die Lage im Irak ist verteufelt schwierig"

US-Präsident George W. Bush hatte kurz vor der Veröffentlichung des Hinrichtungsvideos Verhandlungen mit den Geiselnehmern ausgeschlossen. Eine Erfüllung ihrer Forderung scheint ohnehin nicht möglich, da sie die Freilassung aller Frauen aus zwei Gefängnissen im Irak verlangen, in denen nach US-Angaben gar keine Frauen inhaftiert sind. Im Gewahrsam der USA befänden sich lediglich zwei irakische Frauen, die unter dem gestürzten Präsidenten Saddam Hussein als Spezialisten für biologische und chemische Waffen gearbeitet hätten.

Bush sagte über die Geiselnehmer: "Sie werden Menschen köpfen, um unseren Willen zu erschüttern. Diese Leute sind Ideologen des Hasses. ... Man kann nicht mit solchen Menschen verhandeln."

Angesichts zunehmender Unsicherheit und Gewalt schloss Bush einen raschen Abzug der US-Truppen aus. Es mache keinen Sinn, die US-Truppen frühzeitig abzuziehen, weil es dann im Irak noch gefährlicher werde, sagte Bush gestern auf einer Wahlkampfveranstaltung in Derry im US-Bundesstaat New Hampshire. Aufgabe sei es, Iraker auszubilden und so rasch wie möglich auf den Weg von Demokratie und Stabilität zu führen, bevor die Truppen zurückkommen könnten. Bush räumte ein, dass die Lage im Irak "verteufelt schwierig" sei.

Wählerregistrierung soll am 15. Oktober beginnen

Die Vorbereitungen für die Wahlen im Irak laufen nach Angaben von US-Botschafter John Negroponte planmäßig. Am 15. Oktober solle mit der Registrierung der Wähler begonnen werden, erklärte Negroponte gestern in New York. Angesprochen auf die instabile Sicherheitslage sagte er, es seien noch vier Monate bis zu den Wahlen und bislang habe die Übergangsregierung den Zeitplan eingehalten. Sie habe eine unabhängige Wahlkommission eingerichtet, die nun den Prozess der Wählerregistrierung einleiten werde. Jeder über 18 Jahre sei wahlberechtigt. Negroponte mahnte, die täglichen Schlagzeilen von Selbstmordanschlägen dürften nicht von den kleinen stillen Fortschritten ablenken, die es auch gebe.

Costa Rica zieht sich zurück

Japan will offenbar den Einsatz seiner Truppen im Irak verlängern. Angesichts der Lage im Irak sei es notwendig, dass sich Japan aktiv engagiere, erklärte heute Kabinettsminister Hiroyuki Hosoda. Rund 500 Soldaten sind in Samawah im Süden des Landes stationiert und dort mit Wiederaufarbeiten beschäftigt. Weitere 500 Soldaten kümmern sich in den benachbarten Golfstaaten um den Nachschub. Das Mandat läuft eigentlich im Dezember ab. Auf die Frage, ob eine Verlängerung möglich sei, sagte Hosoda: "Ja".

In Washington hat das Weiße Haus unterdessen Costa Rica von der im Internet veröffentlichten Liste der so genannten Koalition der Willigen gestrichen. Das Land hatte selbst darum gebeten, nachdem das Verfassungsgericht des Landes festgestellt hatte, dass die Nennung Costa Ricas auf der Liste unvereinbar sei mit der pazifistischen Grundausrichtung des mittelamerikanischen Staates. Die US-Regierung hatte zuvor erklärt, die Nennung Costa Ricas auf der Liste sei eine Ausnahme, da das Land den Kampf gegen den Terrorismus kaum unterstützt habe. Es hat weder Soldaten in den Irak geschickt noch Geld für den Wiederaufbau bereitgestellt.

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