Irak US-Militär meldet Nervengas-Explosion

Nach Angaben der amerikanischen Militärführung im Irak ist nahe eines US-Konvois eine mit dem Nervengas Sarin gefüllte Granate explodiert. Das zur Bombe umgebaute Geschoss war am Straßenrand versteckt worden.


Bagdad - Der Sprecher der US-Armee im Irak, Mark Kimmitt, teilte mit, man sei auf eine 155-Millimeter-Artillerie-Granate gestoßen. Das Geschoss sei losgegangen, bevor es entschärft werden konnte. Bei der Explosion sei eine geringe Menge des Nervengases freigesetzt worden. Beim Austreten des Gases seien zwei Soldaten dem Gift ausgesetzt gewesen. Der Vorfall habe sich bereits vor einigen Tagen ereignet.

Der Fund und die Explosion wurden Kimmitts Angaben zufolge von der Irakischen Überwachungsgruppe gemeldet. Bei der Einheit handelt es sich um eine US-Organisation, die nach dem Sturz des Machthabers Saddam Hussein im vergangenen Jahr nach Massenvernichtungswaffen im Irak suchen sollte.

Kimmitt erklärte, der entdeckte Sprengsatz sei ein älteres Modell, bei dem zwei chemische Stoffe gemischt würden, um das Nervengas zu erhalten. In den zwei Kammern der Granate hätten sich getrennt voneinander chemische Substanzen befunden, die sich erst nach der Explosion zu einem tödlichen Gas mischen. Die Granate werde für gewöhnlich von der Artillerie abgefeuert.

Kimmitt teilte weder mit, wo genau das Sarin-haltige Geschoss gefunden wurde, noch, ob es im Irak oder außerhalb des Landes hergestellt wurde. Es ist der erste offiziell bekannt gegebene Fund jener Stoffe, deren angebliche Existenz den USA als Kriegsgrund dienten. Saddam hatte behauptet, alle chemischen und biologischen Waffen vernichtet zu haben. Die Uno-Waffeninspektoren haben bis heute keine derartigen Kampfstoffe im Irak entdecken können.

Der frühere Uno-Waffeninspektor Hans Blix sieht in dem Vorfall keinen Beweis dafür, dass das gestürzte irakische Regime auch nach dem Verbot durch die Vereinten Nationen weiter Massenvernichtungswaffen produziert hat. "Es kann Überreste aus der Vergangenheit geben, und das ist etwas ganz anderes, als Vorräte zu besitzen", sagte Blix.

Das Nervengas Sarin zählt zu den giftigsten Kampfstoffen, die der Mensch je hergestellt hat. Es wurde Ende der dreißiger Jahre von dem deutschen Chemiker Gerhard Schrader entwickelt und im Zweiten Weltkrieg produziert, jedoch nicht angewendet. Die Substanz wird durch Einatmen und über die Haut aufgenommen: Sie kann schon bei einer Menge von einem Milligramm in Minuten zu Atemlähmung und Herzstillstand führen. Sarin ist mit relativ einfacher Technologie herstellbar.

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