Irak US-Militär will Verstärkung aus Südkorea holen

Den amerikanischen Besatzern im Irak wächst der Militäreinsatz über den Kopf. Um den neuen Anforderungen gewachsen zu sein, soll jetzt Angaben aus Seoul zufolge ein Teil der 37.000 in Südkorea stationierten Soldaten in den Irak verlegt werden.


Die US-Streitkräfte geraten im Irak zunehmend in Bedrängnis: Soldat bei Bagdad
REUTERS

Die US-Streitkräfte geraten im Irak zunehmend in Bedrängnis: Soldat bei Bagdad

Seoul - Die US-Regierung habe diesen Plan mit der Verschlechterung der Lage im Irak begründet, erklärte ein Vertreter des Außenministeriums in Seoul heute. Wie viele Soldaten abgezogen werden sollen, sei noch nicht beschlossen. "Südkorea und die USA diskutieren die Angelegenheit", sagte der Sprecher.

Ein ranghoher Regierungsbeamter in Washington bestätigte entsprechende Überlegungen im Pentagon. Eine Verlegung stehe aber nicht unmittelbar bevor. Sie würde vielmehr Teil der nächsten Truppenrotation im Irak sein, die für den Spätsommer vorgesehen ist, sagte der Beamte, der namentlich nicht genannt werden wollte. In südkoreanischen Medienberichten war von zunächst 4000 US-Soldaten die Rede, die abgezogen werden sollen.

Südkorea befürchtet seit längerem eine Verminderung der amerikanischen Truppenstärke im Land. Zusammen mit der 650.000 Mann zählenden südkoreanischen Armee sichern die US-Truppen die Grenze auf der geteilten Halbinsel. Das kommunistische Nordkorea hat 1,1 Millionen Soldaten unter Waffen und unterhält damit die fünftgrößte Militärstreitmacht der Erde.

Zwei US-Soldaten getötet

Bei neuen Kämpfen im Irak wurden in der Nacht zum Samstag zwei weitere US-Soldaten getötet. Wie die amerikanischen Streitkräfte gestern Abend mitteilten, starb ein Soldat bei der Explosion einer am Straßenrand versteckten Bombe außerhalb von Bagdad, ein weiterer Soldat wurde dabei verwundet. Der zweite Soldat wurde bei einer Schießerei südlich von Bagdad getötet, zwei weitere trugen Verletzungen davon.

Die Zahl der getöteten US-Soldaten seit Beginn der Militäroperationen im Irak im vergangenen Jahr ist damit auf 777 gestiegen. Davon starben 567 auf Grund von Feindeinwirkung.

Italiener räumen Lager

Die italienischen Truppen im Irak haben nach wiederholten Angriffen gestern ein Lager in der schiitischen Stadt Nassirija geräumt. Bei den dreitätigen Kämpfen wurden mindestens zehn Italiener verletzt und ins Lazarett gebracht, wie ein italienischer Militärsprecher mitteilte.

Nach italienischen Angaben befindet sich ein Soldat in kritischem Zustand. Hinter den Angriffen werden Kämpfer des radikalislamischen Geistlichen Muktada al-Sadr vermutet. Das aufgegebene Lager befindet sich in der Nähe einer strategisch wichtigen Brücke über den Euphrat.

In die Kämpfe sind erstmals auch portugiesische Polizisten verwickelt worden, die den Italienern zur Hilfe eilten. Nach Angaben der Regierung in Lissabon wurde kein Portugiese verletzt. Seit November sind 128 portugiesische Polizisten dem italienischen Kommando in der südirakischen Stadt unterstellt.

Bei weiteren Anschlägen wurden drei Irakerinnen getötet, die in den Diensten der USA standen. Bei einer der Toten soll es sich um eine Übersetzerin handeln.

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