Irak US-Soldaten sollen unschuldige Zivilisten "kaltblütig getötet" haben

Schwere Anschuldigungen gegen die US-Armee im Irak: Ein Kongressabgeordneter der Demokraten wirft US-Soldaten vor, nach einem Attentat auf amerikanische Truppen "mindestens 30 unschuldige Zivilisten kaltblütig getötet" zu haben.


Washington - Die Vorwürfe von John Murtha beziehen sich auf ein Attentat auf US-Truppen in Haditha im vergangenen November, bei dem ein US-Soldat ums Leben gekommen war. Anschließend wären die US-Soldaten des dritten Bataillons, die bei ihrem Einsatz auf der Suche nach Aufständischen waren, in mehrere Häuser gegangen und hätten "Frauen und Kinder getötet", sagte der ehemalige Armeeoffizier Murtha, der für seinen Einsatz in Vietnam dekoriert wurde, laut einem Bericht von "CNN".

"Es gab keinen Schusswechsel. Es gab keine ferngezündete Bombe, die diese unschuldigen Menschen tötete. Unsere unter Druck stehenden Soldaten haben überreagiert und unschuldige Zivilisten kaltblütig getötet", sagte Murtha unter Berufung auf Informationen aus dem US-Militär.

Einem ersten Bericht der US-Soldaten zufolge waren die Zivilisten durch eine am Straßenrand detonierte Bombe ums Leben gekommen, später hieß es, sie seien in einen Schusswechsel verwickelt gewesen. Laut Murtha ist auch die Zahl der Opfer weit höher als anfangs berichtet. Es seien mindestens 30 unschuldige Zivilisten ums Leben gekommen, die US-Armee hatte von 15 Toten gesprochen.

Eine irakische Menschenrechtsgruppe  und Augenzeugen äußerten Zweifel an der Version der Armee, nach einem Bericht des US-Magazins "Time" folgte eine Untersuchung des Falles. Die US-Armee lehnt es wegen der laufenden Ermittlungen derzeit ab, den Vorfall zu kommentieren. Jeder Kommentar sei voreilig und könnte die Untersuchungen beeinflussen, hieß es.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld betonte im Fernsehsender "Fox News", sein Ministerium nehme die Vorwürfe und die Ermittlungen gegen rund ein Dutzend US-Soldaten ernst.

Offen ist derzeit noch, ob der Vorfall weitreichende Konsequenzen haben wird: Es sei noch nicht klar, ob es zu einer Anklage kommen werde, heißt es laut dem "CNN"-Bericht aus mit der Untersuchung betrauten Kreisen.

Vergangenen Monat wurden der Chef des Bataillons und zwei weitere Soldaten von ihren Funktionen enthoben und nach Kalifornien versetzt.

Murtha hatte die US-Invasion in den Irak im Jahr 2003 unterstützt, sich später aber von der US-Regierung von Präsident George W. Bush distanziert und für einen Rückzug der US-Truppen ausgesprochen.

hen/AP

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