Irak US-Starjournalist wirft Bush Bespitzelung von Premier Maliki vor

Starjournalist Bob Woodward enthüllt in einem neuen Buch Brisantes über die Regierung Bush. Das Weiße Haus soll die irakische Führung ausspioniert haben - auch Premier Maliki. Die Umgebung des US-Präsidenten war über die richtige Taktik gegen Aufständische im Irak offenbar tief zerstritten.


Hamburg/Washington/Bagdad - Er ist eine Reporterlegende, seit er in den siebziger Jahren mit seinem Kollegen Carl Bernstein die Watergate-Affäre um den damaligen Präsidenten Richard Nixon enthüllte. Nun erhebt der Journalist Bob Woodward laut "Washington Post" Vorwürfe gegen die Regierung des jetzigen Präsidenten George W. Bush: Seine Regierung habe die irakische Führung ausspioniert. Auch Premier Nuri al-Maliki soll demnach intensiv bespitzelt worden sein.

Maliki, Bush: "Wäre es nicht besser, wenn wir das ließen?"
AFP

Maliki, Bush: "Wäre es nicht besser, wenn wir das ließen?"

"Wir wissen alles was er sagt" - so wird ein anonymer Insider aus dem Umfeld der Bush-Regierung in Woodwards neuen Buch bezüglich der Bespitzelung Malikis zitiert. Genauere Angaben zum Umfang und dem genauen Vorgehen macht Woodward allerdings nicht.

"The War Within: A Secret White House History, 2006 - 2008" ("Der Krieg im Inneren: Eine geheime Geschichte des Weißen Hauses, 2006 - 2008") heißt das am kommenden Montag in den USA erscheinende Buch. Es ist die vierte Publikation, in der Woodward die Vorgänge in der Regierung Bush analysiert. Das 487-seitige Buch Woodwards basiert der "Washington Post" zufolge auf rund 150 Interviews mit Mitgliedern des Nationalen Sicherheitsrates, führenden Diplomaten, Geheimdienstmitarbeitern und Militärs. Woodward führte auch zwei Gespräche mit US-Präsident Bush persönlich.

Bush habe den irakischen Regierungschef zunehmend als vertrauensvolle Führungsfigur anerkannt, schreibt Woodward. Die Bespitzelung hielt der US-Präsident dennoch für nötig und verteidigte sie auch gegen Kritik aus seinem Umfeld. "Wäre es nicht besser, wenn wir das ließen?" - so wird ein enger Mitarbeiter zitiert.

Neben den Spitzel-Enthüllungen wartet Woodward mit weiteren delikaten Erkenntnissen über die Irak-Politik des Weißen Hauses auf: Demnach ist für den Rückgang der Gewalt im Irak nicht so sehr die von Bush initiierte Operation "Surge" verantwortlich, in deren Verlauf 2007 beinahe 30.000 zusätzliche US-Soldaten eingesetzt wurden. Woodward behauptet stattdessen, "bahnbrechende" neue Formen verdeckter Einsätze der US-Truppen hätten stattdessen maßgeblich zu diesem Erfolg geführt. Damit sei es möglich gewesen, Führer der al-Qaida und anderer aufständischer Gruppen auszumachen und zu töten.

Details des entsprechenden Programms werden in dem Buch laut "Washington Post" nicht genannt. Als Begründung nennt Woodward die sicherheitspolitischen Bedenken seiner Informanten aus dem Bush-Umfeld.

Woodward zählt noch weitere Faktoren auf, die zu dem Rückgang der Gewalt führten: Zum einen die Entscheidung des schiitischen Rebellenführers Muktada al-Sadr, seine Mahdi-Armee im Zaum zu halten. Und zum anderen die neue Haltung Zehntausender Sunniten, die sich gegen al-Qaida wandten und mit den USA kooperierten.

Das Buch porträtiert eine völlig zerrissene US-Regierung in Sachen Irak: Woodward zeigt, wie das Weiße Haus Mitte 2006 entweder gar nicht auf die zunehmende Gewalt im Irak reagieren wollte - oder zu langsam. Während Bush öffentlich immer noch von den Erfolgen sprach, hatte er demnach längst eingesehen, dass seine Strategie nicht aufging.

Am Ende verlor Bush, wie Woodward schreibt, auch das Vertrauen in die damals militärisch Verantwortlichen: General George W. Casey Jr. und General John P. Abizaid. Das Buch weist nach, dass es Ende 2006 beinahe zu einem Aufstand der US-Militärs gegen Bush gekommen sei. Dem kam der Präsident zuvor, indem er Casey durch General David H. Petraeus und Rumsfeld durch Robert M. Gates austauschte.

Zudem hat es laut Woodward Streit zwischen den zuständigen Ministerien wegen der Irak-Politik gegeben. So wird Außenministerin Condoleezza Rice mit Beschwerden über die "vermessenen" Briefings aus der Spitze des damals von Donald Rumsfeld geführten Verteidigungsministerium zitiert. Rumsfelds Darstellungen für Bush wären wie "eine Fabel, eine Geschichte..., die die wirklichen Probleme umging".

Woodward kommt - so schreibt die "Washington Post" - zu folgendem Urteil über Bushs Irak-Politik: Der US-Präsident sei "selten die Stimme des Realismus im Irak-Krieg gewesen" und hätte "zu oft als Führer versagt".

flo



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.