Irak USA erklären Sicherheitsoffensive für gescheitert

Mit riesigem Aufwand haben die USA und die irakische Regierung im Juni eine groß angelegte Offensive gestartet mit dem Ziel, vor allem Bagdad sicherer zu machen. Nun räumen sie ein: Die Operation war ein Flop.


Bagdad/Washington - Die Ziele der Offensive, die vor sechs Wochen begonnen hatte, seien nicht erreicht worden, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Snow, in Washington. Präsident George W. Bush, der nach seinem Überraschungsbesuch im Irak am 13. Juni die Operation noch sehr gelobt hatte, werde bei einem für Morgen geplanten Treffen mit dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki über Alternativen sprechen.

Seit der Sicherheitsoffensive nahm die Gewalt weiter zu. Es wurde erwartet, dass Bush und al-Maliki einen neuen Plan vorstellen werden, der die Stationierung weiterer US-Soldaten in der irakischen Hauptstadt vorsehen wird. Al-Maliki habe darüber bereits mit dem Oberbefehlshaber der US-Truppen im Irak, General George Casey, beraten, hieß es aus Regierungskreisen. Die Sicherung Bagdads habe hohe Priorität. Derzeit sind insgesamt 127.000 US-Soldaten in dem Land stationiert, davon etwa 55.000 in Bagdad.

Saddam wird mit Magensonde ernährt

Die Gesundheit des irakischen Ex-Machthaber Saddam Hussein, 69, der sich nach einem über zweiwöchigen Hungerstreik seit Sonntag in einem Krankenhaus befindet, ist nach Angaben der US-Regierung nicht in Gefahr. Saddam werde seit heute mit Hilfe eines Schlauches ernährt und habe dem selbst zugestimmt, sagte Snow.

Im Übrigen hätten Saddam und drei ebenfalls im Hungerstreik befindliche Mitangeklagte im laufenden Prozess auch nach Beginn ihrer Aktion Kaffee und Wasser mit Vitaminen und Mineralien zu sich genommen. Die drei Mitangeklagten verweigerten aber - im Gegensatz zu Saddam - weiterhin die Aufnahme anderer Nahrung. Alle vier befänden sich aber "bei guter Gesundheit". Saddam nimmt aus Protest gegen die Ermordung von drei seiner Anwälte und gegen den Prozess an sich seit dem 8. Juli nur noch Flüssigkeit zu sich.

Der Ex-Diktator und sieben weitere ehemalige Regime-Funktionäre müssen sich seit letztem Oktober vor Gericht für die Hinrichtung von 148 Schiiten aus dem Dorf Dudschail im Jahr 1982 verantworten. Der Prozess wurde ohne Saddam fortgesetzt. Von den insgesamt acht Angeklagten und ihren Verteidigern erschien heute nur Saddam Husseins Halbbruder Barsan Ibrahim al-Tikriti vor dem Sondergericht in Bagdad. Richter Rauf Abdel Rahman sprach von einem Boykott aus politischen Gründen.

Eigentlich hätten heute die Plädoyers der Verteidigung des früheren Vizepräsidenten Taha Jassin Ramadan und des früheren Präsidenten des Revolutionsgerichts, Awad al-Bandar, gehört werden sollen. Sämtliche Anwälte blieben jedoch der Verhandlung fern.

Viele Tote bei mehreren Anschlägen

Bei mehreren Anschlägen im Irak wurden heute mindestens 19 Menschen getötet und 35 weitere verletzt. Allein in Mossul im Norden des Landes starben fünf irakische Soldaten, als eine Autobombe explodierte, wie es in Sicherheitskreisen hieß. In der sunnitischen Stadt Samarra nördlich von Bagdad sprengte sich ein Selbstmordattentäter in seinem Wagen in die Luft und riss einen Mann mit in den Tod. Weitere 17 Menschen, unter ihnen sechs Kinder, erlitten bei dem Anschlag Verletzungen. In Tadschi, etwa dreißig Kilometer nördlich von Bagdad, erschossen Unbekannte drei Menschen. Zwei weitere Menschen kamen in der Hauptstadt durch Mörsergranaten ums Leben.

asc/AP/dpa/AFP

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