Irak USA stellen geistige Behinderung zweier Attentäterinnen in Frage

Waren die beiden Attentäterinnen im Irak behindert und wurden von Terroristen missbraucht? Das US-Militär hat nach den verheerenden Anschlägen in Bagdad inzwischen Zweifel an der Variante. Trotzdem sollen in der irakischen Hauptstadt Bettler und psychisch Kranke von der Straße geholt werden.


Bagdad - Das Entsetzen war groß, als vor rund drei Wochen Sprengstoff auf Tiermärkten in Bagdad explodierte, fast hundert Menschen starben und der Verdacht aufkam, Terroristen hätten zwei geistig behinderte Frauen als Attentäterinnen missbraucht. US-Außenministerin Condoleezza Rice hatte erklärt, die Fälle zeigten, dass keine Bewegung so brutal und verwerflich vorgehe wie die radikal-muslimische Terrororganisation al-Qaida, der jedes Mittel recht sei.

Inzwischen ist sich das US-Militär nicht mehr sicher, ob die beiden Attentäterinnen wie behauptet geistig behindert waren. "Ich habe damals gesagt, nach ersten Erkenntnissen der irakischen Regierung hatten die Frauen das Down-Syndrom. Wir wissen heute nicht, ob dies der Fall war", erklärte Armeesprecher Konteradmiral Greg Smith.

"Wir wissen, dass beide Frauen wegen psychischer Probleme behandelt wurden. Wir können zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht sagen, ob die Frauen an weiteren geistigen Erkrankungen litten."

Bei dem Anschlag am 1. Februar waren fast hundert Menschen getötet worden. Irakische und US-Vertreter hatten angedeutet, die beiden Frauen seien an den Kontrollpunkten nicht durchsucht worden, weil sie geistig behindert gewesen seien. Zehn Tage nach dem Attentat durchkämmten US-Kräfte eine psychiatrische Klinik in Bagdad und nahmen den Direktor unter dem Vorwurf fest, Patientendaten an die Extremisten weitergegeben zu haben.

Die irakische Polizei will in der irakischen Hauptstadt Bagdad alle psychisch Kranken, Bettler und Obdachlosen von der Straße holen, damit diese nicht von Terroristen als "lebende Bomben" missbraucht werden können. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte heute: "Wir haben Informationen erhalten, wonach al-Qaida geistig behinderten Menschen und Bettlern Sprengstoffgürtel umgeschnallt oder sie zur Plazierung von Bomben gezwungen haben soll." Deshalb werde man jetzt dafür sorgen, dass für diese Menschen Plätze in staatlichen Heimen gefunden würden.

Die Vorsitzende des Komitees für Frauen und Kinder im irakischen Parlament, Samira al-Mussawi sagte auf Anfrage: "Wir hatten von den Ministerien für Inneres, Arbeit und Soziales bereits vor einem Monat gefordert, eine Kampagne zu starten, um alle Obdachlosen, Behinderten, Bettler und geistig zurückgebliebenen Menschen von der Straße zu holen, weil sie von den Bewaffneten ausgenutzt werden können." Es sei auch notwendig, kurzfristig Zentren zu eröffnen, in denen diese Menschen untergebracht werden könnten. Die Politikerin sagte, die inzwischen große Zahl von Bettlern auf den Straßen von Bagdad sei bedauerlich und "kein schöner Anblick".

hen/Reuters/dpa

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