Irak Verwirrung um Termin für Saddams Exekution

Widersprüchliche Meldungen aus dem Irak: Angeblich sei der frühere Diktator bereits irakischen Behörden übergeben worden. Das Justizministerium in Bagdad dementiert: Saddam sei noch in den Händen der USA, die Hinrichtung nicht vor Ende Januar geplant.


Bagdad/ Zürich - Am Morgen hatten sich die Hinweise auf eine baldige Hinrichtung des irakischen Ex-Diktators verdichtet: Nach Auskunft eines Anwalts wurde Saddam Hussein inzwischen irakischen Behörden übergeben. Die Amerikaner hätten ihn aufgefordert "die persönlichen Dinge von Saddam und seinem Halbbruder Barsan Ibrahim al-Tikriti" in Empfang zu nehmen, sagte auch Saddams Verteidiger Chalil al-Dulaimi - Saddams Halbbruder ist ebenfalls zum Tode verurteilt.

Ex-Diktator Saddam Hussein: Verwirrung um Vollstreckung des Todesurteils
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Ex-Diktator Saddam Hussein: Verwirrung um Vollstreckung des Todesurteils

Das Dementi von irakischer Seite folgte postwendend: "Das ist nicht wahr", Saddam sei weiter in den Händen der USA, sagte ein Vertreter des irakischen Justizministeriums. Saddam werde nicht vor dem 26. Januar hingerichtet. Und auch Verteidiger al-Dulaimi präzisierte: Noch sei Saddam Hussein nicht an die irakischen Behörden übergeben. Er schließe aber aus der Aufforderung, jemanden zur Entgegennahme der persönlichen Dinge zu autorisieren, dass eine Übergabe der beiden zum Tod Verurteilten an die irakischen Behörden bald bevorstehe.

Zuvor hatte es in US-Regierungskreisen geheißen, die Vollstreckung des Todesurteils könne möglicherweise bereits morgen erfolgen. "Ich habe gehört, dass es wahrscheinlich nur noch zwei weitere Tage sein werden", sagte ein hochrangiger Mitarbeiter von US-Präsident George W. Bush am Donnerstag.

Der Rundfunksender Fox News berichtete, die irakische Regierung sei "bemüht, die Hinrichtung Saddams hinter sich zu bringen". Saddam wird auf dem US-Stützpunkt Camp Cropper festgehalten. Vor seiner Hinrichtung muss er an die irakischen Behörden überstellt werden.

Die für den Heimatschutz zuständige Beraterin des US-Präsidenten, Frances Fragos Townsend, sagte in einem Interview mit dem US-Sender CNN, dass Saddam den irakischen Behörden auf Antrag überstellt würde. Ob ein solcher Antrag bereits gestellt sei, sagte sie jedoch nicht.

Die Vereinten Nationen warnten vor einer übereilten Vollstreckung des Todesurteils: Der Irak und die internationale Gemeinschaft hätten ein Interesse sicherzustellen, dass die Todesstrafe nach einem glaubwürdigen und unparteiischen Verfahren verhängt worden sei, erklärte Uno-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour. "Das trifft besonders in einem so außergewöhnlichen Fall wie diesem zu", fügte sie hinzu.

Die umfangreiche und komplexe Bestätigung des Todesurteils durch das Berufungsgericht müsse genau erörtert und die Zweifel an der Fairness des Prozesses müssten ausgeräumt werden, forderte Arbour. Zudem habe Saddam nach internationalen Vereinbarungen, die der Irak anerkannt habe, das Recht auf ein Gnadengesuch.

Die irakische Regierung hat erklärt, sie wolle das Todesurteil möglichst rasch vollstrecken. Die Frist von 30 Tagen werde nicht voll ausgeschöpft, sagte ein Vertrauter von Ministerpräsident Nuri al-Maliki. Wegen eines Massakers an Schiiten in den achtziger Jahren wurde der frühere Machthaber am 5. November zum Tod durch den Strang verurteilt. Ein Berufungsgericht hatte am Dienstag das Todesurteil bestätigt, das im November gegen den ehemaligen Machthaber wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verhängt worden war.

Angesichts seiner drohenden Hinrichtung hat sich Saddam Hussein nach Angaben eines seiner Anwälte nochmals mit Angehörigen getroffen und seiner Familie Botschaften übermittelt. Saddams Treffen mit seinen Halbbrüdern Sabawi und Watban Ibrahim Hassan al-Tikriti, die sich beide in US-Haft befinden, habe in seiner Zelle in einem Bagdader Gefängnis stattgefunden, teilte ein Anwalt Saddams mit. Wachmänner des Gefängnisses hätten ihm dies berichtet.

Demnach sei Saddam guter Dinge und bereit, als Märtyrer zu sterben. Obwohl er keine Einzelheiten wisse, spüre Saddam, dass etwas im Zusammenhang mit dem Urteil geschehe, sagte Anwalt Badie Aref.

hen/Reuters/AP/dpa



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