Irak Viele Tote bei Selbstmordanschlag

Die Serie täglicher Bombenanschläge im Irak reißt nicht ab. Bei einem Selbstmordanschlag sind erneut mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen, etwa 20 weitere wurden verletzt.


Bagdad - Angesichts der Anschläge äußerte sich Regierungschef Ijad Alawi besorgt über die Folgen der unsicheren Lage für die weitere Entwicklung. "Wir sollten die Terroristen nicht unsere Tagesordnung bestimmen lassen", sagte Alawi in einer Rede in Bagdad.

Der Anschlag von heute richtete sich gegen eine Kaserne der irakischen Nationalgarde in der Nähe von Ana, 260 Kilometer nordwestlich von Bagdad an der Hauptstraße nach Syrien gelegen. Vor der Kaserne brachte der Angreifer nach Polizeiangaben sein mit Sprengstoff bepacktes Auto zur Explosion.

Während aus anderen Landesteilen eine Reihe kleinerer Anschläge gemeldet wurden, riegelten rund 3000 amerikanische und irakische Soldaten zahlreiche Straßen südlich von Bagdad ab, um von Rebellen gehaltene Regionen der Provinz Babil wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Truppen besetzten zwei Brücken über den Euphrat und ein mutmaßliches Ausbildungslager der Aufständischen. Eine ähnliche Militäraktion richtete sich in der vergangenen Woche gegen Samarra, 100 Kilometer nördlich von Bagdad.

Die US-Streitkräfte griffen heute erneut Ziele in der irakischen Stadt Falludscha an. Der Luftangriff richtete sich nach Informationen aus amerikanischen Geheimdienstkreisen gegen ein Treffen führender Mitglieder der terroristischen Organisation von Abu Musab al-Sarkawi. Die 65 Kilometer westlich von Bagdad gelegene Stadt gilt als Hochburg der sunnitischen Extremisten und ist in den vergangenen Wochen wiederholt Ziel von Luftangriffen gewesen.

Die radikalen Schiiten im Bagdader Stadtteil Sadr-Stadt verständigten sich mit der Übergangsregierung auf eine Waffenruhe. Die gestern signierte Vereinbarung soll die wochenlangen Kämpfe beenden, wie einer der Unterzeichner heute mitteilte. Die Anhänger des radikalen Predigers Muktada al-Sadr verpflichten sich in dem Abkommen, ihre Waffen abzugeben. Im Gegenzug erhielten sie Geld und eine weit reichende Zusicherung von Straffreiheit, sagte der schiitische Stammesführer Karim al-Bachatti.

Im Fall des verschleppten Briten Kenneth Bigley erklärte sich die Londoner Regierung heute dazu bereit, die Forderungen der Geiselnehmer anzuhören. Verhandlungen seien jedoch ausgeschlossen, sagte der britische Außenminister Jack Straw in Bagdad nach einem Treffen mit dem für innere Sicherheit zuständigen stellvertretenden Ministerpräsidenten Barham Saleh. Der 62-jährige Bigley wurde am 16. September zusammen mit zwei Amerikanern entführt, die inzwischen von ihren Entführern enthauptet wurden.

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