Irak Viele Tote bei Selbstmordanschlag

Bei einem Selbstmordanschlag in der nordirakischen Stadt Kirkuk sind mindestens 22 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 80 weitere wurden verletzt. Zu dem Anschlag bekannten sich sunnitische Extremisten - per Internet.


Kirkuk - Die Explosion ereignete sich nur Stunden, bevor im Parlament der autonomen Kurden-Region der langjährige Anführer dieser Volksgruppe, Masud Barsani, als Präsident vereidigt wurde. Die Kurden wollen die rund 250 Kilometer nördlich von Bagdad gelegene Stadt Kirkuk, die auch von Arabern und Turkmenen bewohnt wird, zur Hauptstadt der ölreichen Region machen.

Die sunnitische Gruppe "Ansar al-Sunna" erklärte im Internet, das Ziel des Anschlags seien kurdische und schiitische Soldaten gewesen, die nahe einem Markt vor einer Bank angestanden und auf die Auszahlung ihres Lohns gewartet hätten.

Ein Vertreter der Bank erklärte jedoch, das Geldinstitut habe keine Soldaten als Kunden. Augenzeugen berichteten von einem Mann, der sich mit einem Sprengstoffgürtel in die Luft gesprengt habe.

Zur Vereidigung Barsanis im Parlament im nördlich von Kirkuk gelegenen Erbil kamen zahlreiche führende Vertreter der irakischen Regierung und Mitarbeiter der US-Botschaft aus Bagdad. "Wir müssen das Kirkuk-Problem lösen", forderte Barsani. Die Stadt ist immer wieder Schauplatz von Kämpfen zwischen den einzelnen kurdischen, arabischen und turkmenischen Volksstämmen, die um ihren Einfluss in der Region ringen.

Soldaten töten fünf Zivilisten

In Ramadi, 115 Kilometer westlich von Bagdad, kamen fünf Zivilpersonen ums Leben. Amerikanische und irakische Soldaten hatten an einem Kontrollpunkt das Feuer auf zwei Autos eröffnet und fünf der Insassen erschossen. Vier weitere wurden verletzt, teilten die US-Streitkräfte mit.

Wenige Stunden zuvor war an demselben Kontrollpunkt eine Bombe explodiert. Dabei wurde ein irakischer Soldat getötet. Die Militärs hätten befürchtet, dass es sich bei den Insassen der beiden Autos um weitere Selbstmordattentäter handeln könnte, sagte eine Militärsprecherin. Die Fahrzeuge seien im Abstand weniger Minuten auf den Kontrollpunkt zugerast, wo die Fahrer trotz Aufforderung nicht angehalten hätten. Die Streitkräfte äußerten Bedauern über den Zwischenfall.

Seit der Bildung der neuen Regierung hat in den vergangenen sechs Wochen die Zahl der Anschläge im Irak sprunghaft zugenommen. Dabei wurden etwa 900 Menschen getötet, die meisten von ihnen Zivilisten.

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