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27. März 2003, 02:04 Uhr

Irak

Vier Angriffswellen auf Bagdad

Briten und Amerikaner flogen in der Nacht und am frühen Morgen vier Angriffswellen auf Bagdad. Rund 30 Explosionen erschütterten die irakische Hauptstadt. Erneut stiegen große Rauchsäulen auf, Flugabwehrfeuer hallte durch die Dunkelheit.

Eine F14-Tomcat startet vom Flugzeugträger USS Roosevelt zu einer Angriffsmission.
AP

Eine F14-Tomcat startet vom Flugzeugträger USS Roosevelt zu einer Angriffsmission.

Bagdad - Zunächst hatten sich gegen zwei Uhr Ortszeit acht schwere Explosionen in den Außenbezirken von Bagdad ereignet. Die Einschläge erfolgten innerhalb von zehn Minuten, berichteten Augenzeugen. Zwei Stunden später wurden erneut heftige Einschläge im unmittelbaren Stadtgebiet registriert. Auf Fernsehbildern waren mehrere Rauchsäulen zu erkennen. Insgesamt flogen die Alliierten vier Angriffswellen. Über die genauen Ziele der Angriffe und verursachte Schäden wurde zunächst nichts bekannt.

Auch aus der zweitgrößten irakischen Stadt Basra gab es Berichte über alliierte Bombardements. Arabische Fernsehsender zeigten mehrere zivile Opfer in Krankenhäusern Basras. Medikamente und Verbandsmaterial würden fehlen.

Die Angriffe erfolgten einen Tag nach den bisher schwersten Opfern unter der Zivilbevölkerung Bagdads: Nach irakischen Angaben wurden mindestens 14 Personen getötet, als am Mittwoch zwei Marschflugkörper in einem nördlichen Wohngebiet einschlugen. Die US-Streitkräfte räumten ein, auf ein Wohngebiet mit Marschflugkörpern gezielt zu haben. Es habe sich aber nicht um al-Schaab gehandelt. Im Visier seien Flugabwehrstellungen gewesen, die weniger als 100 Meter von Wohnhäusern aufgestellt seien.

Angeblich doch keine Gegenoffensive

Pentagonkreise wiesen unterdessen Berichte über einen großen Gegenangriff irakischer Verbände im Süden Bagdads zurück. Es scheine sich um eine Absetzbewegung in andere Stellungen zu handeln. Generalstabschef Richard Myers sagte, es seien anscheinend nur "ein paar" leichtere Fahrzeuge unterwegs. Zuvor war von 1.000 Militärfahrzeugen mit bis zu 5.000 Soldaten die Rede gewesen.

Mitarbeiter des Pentagon räumten unterdessen ein, die US-Führung sei von der Kampfkraft der irakischen Milizen überrascht worden und habe ihre Taktik für den Marsch auf Bagdad "angepasst": Statt hastig in Richtung der irakischen Hauptstadt vorzustoßen, werde die Invasion verlangsamt, um einzelne irakische "Widerstandsnester" auszulöschen. "Wir gehen jetzt auf die Jagd", sagte ein Oberst der US-Marineinfanterie.

Sandstürme stellen Alliierte vor Probleme

US-Truppen im Sandsturm: Menschen und Material leiden unter widrigem Wetter
AP

US-Truppen im Sandsturm: Menschen und Material leiden unter widrigem Wetter

Zum unerwartet heftigen Widerstand der Iraker kommen schwere Sandstürme, die mit Sichtweiten unter zwei Metern und Temperaturen von bis zu 50 Grad den alliierten Soldaten schwer zu schaffen machen. Auch das empfindliche Material wird in Mitleidenschaft gezogen: Die feinen Sandkörner blenden die "elektronischen Augen" von Lenkwaffen, blockieren die Luftfilter von Panzer- und Hubschraubermotoren und können gefährliche Defekte in der Mechanik auslösen. Auch zahlreiche Kampfjets der Kriegskoalition mussten am Boden bleiben, so das Pentagon.

Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon sagte, ein Teil der alliierten Trupen stehe weiterhin rund 100 Kilometer vor Bagdad. Er meldete am Mittwoch im Unterhaus jedoch kein weiteres Vorrücken der Verbände auf Bagdad. Dies deckt sich mit Angaben der irakischen Führung, die behauptete, der alliierte Vormarsch sei zum Erliegen gekommen.

USA bestätigen Einsatz experimenteller Waffen

Unterdessen setzte die US-Luftwaffe bei der Bombardierung von irakischen TV-Sendern erstmals eine experimentelle Waffe ein. Regierungsvertreter wollten keine Details nennen, sagten jedoch, dass sie in den vergangenen Monaten eine Bombe entwickelt hätten, die einen elektromagnetischen Puls (EMP) aussendet, um elektronische Anlagen des Gegners zu zerstören.

Zudem wächst die Angst der US-Truppen vor einem irakischen Giftgasangriff. Amerikanische Marines wollen in einem Krankenhaus große Vorräte an Gasmasken, Schutzanzügen und Nervengas-Gegenmitteln gefunden haben.

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