Irak vor der Wahl Autobombe explodiert in Pilgergruppe

Bei einem schweren Anschlag in der irakischen Stadt Nadschaf sind einen Tag vor der Parlamentswahl mehrere Menschen getötet worden. Rund 50 Menschen wurden verletzt. Eine Autobombe explodierte in der Nähe mehrerer Busse mit schiitische Pilgern.

Feuerwehrmann in Nadschaf: Terroristen und Aufständische behindern den Urnengang
AFP

Feuerwehrmann in Nadschaf: Terroristen und Aufständische behindern den Urnengang


Nadschaf - Einen Tag vor den Parlamentswahlen im Irak hat eine Bombe mindestens sieben Menschen getötet und weitere 50 verletzt. Vier der Todesopfer und die meisten Verletzten in der schiitischen Pilgerstadt Nadschaf stammen nach offiziellen Angaben aus Iran. Das Attentat ereignete sich etwa 500 Meter entfernt vom Mausoleum des Imams Ali, wie die Polizei mitteilte. Nach Angaben der Behörden explodierte eine Autobombe in den frühen Morgenstunden in unmittelbarer Nähe eines Busses mit iranischen Pilgern.

Der Anschlag trage die Handschrift von al-Qaida und den Anhängern des gestürzten Machthabers Saddam Hussein, sagte der Chef des Provinzrats in Nadschaf, Faed al Tschammari. Nur wenige Stunden zuvor habe es eine klare Anschlagsdrohung gegeben. Bereits in der Vortagen hatte es mehrere blutige Attentate im Irak gegeben. Am Mittwoch und am Donnerstag waren in Bagdad und Baakuba fast 50 Menschen ums Leben gekommen.

Um die Parlamentswahlen am Sonntag zu behindern, hatten die Anhänger von al-Qaida im Irak am Freitagabend im Internet ein "Ausgehverbot" erklärt, das sich vor allem an die Minderheit der Sunniten richtete. Die Aufständischen drohten nach Angaben des auf Überwachung islamistischer Web-Seiten spezialisierten US-Unternehmen SITE den Wählern mit dem "Zorn Gottes und den Waffen der Mudschahidin". Das "Ausgehverbot" solle von 6 bis 18 Uhr Ortszeit am Sonntag dauern und im ganzen Irak sowie "insbesondere in sunnitischen Gegenden" gelten.

Religiöse Parteien und säkulare Allianzen treten an

Fast 20 Millionen Iraker sind am Sonntag aufgerufen, unter 6218 Kandidaten 325 Parlamentsabgeordnete auszuwählen. Unter den Kandidaten sind 1813 Frauen. Gemäß der Verfassung gibt es bei diesem Urnengang letztmalig eine Frauenquote von 25 Prozent. Bei der nächsten Parlamentswahl sollen dann keine Sitze mehr für Frauen reserviert werden. Die spannendste Frage ist, ob die religiösen Parteien der Schiiten und Sunniten das Rennen machen oder ob die eher nationalistisch orientierten säkularen Allianzen von Ministerpräsident Nuri al-Maliki und Ex-Regierungschef Ijad Alawi besser abschneiden.

Allein in Bagdad sollen rund 200.000 Sicherheitskräfte den Urnengang absichern. Für den Wahltag wurde der Autoverkehr in der Hauptstadt verboten, außerdem bleiben die Grenzen des Landes und die Flughäfen von Samstagabend bis Montagfrüh geschlossen. Das Votum gilt als Test für die noch jungen demokratischen Strukturen des Landes, das zum Teil erheblich unter Korruption und Misswirtschaft leidet.

Die Sunniten verloren mit dem Sturz von Saddam Hussein im Frühjahr 2003 ihre Machtposition im Land. Sie stellen mit knapp 24 Prozent die größte Minderheit. Ihre Beteiligung an der Wahl ein halbes Jahr vor dem Abzug der US-Truppen gilt als entscheidend für die Suche nach einem gesellschaftlichen Ausgleich im Irak.

ore/AFP/dpa



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Seite 1
saul7 06.03.2010
1.
Zitat von sysopBei einem schweren Anschlag in der irakischen Stadt Nadschaf sind einen Tag vor der Parlamentswahl mehrere Menschen getötet worden. Rund 50 Menschen wurden verletzt. Eine Autobombe explodierte in der Nähe mehrerer Busse mit schiitische Pilgern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,682160,00.html
Diese schrecklichen Nachrichten werden die Menschen leider noch häufiger hören aus dem Irak und den anderen umliegenden Staaten, die mit Regierungen ausgestattet sind, die eine instabile Führung haben. Die Wahlen werden dennoch abgehalten. Ob sie die Probleme vor Ort in Zukunft lösen werden, ist zu bezweifeln.
MadMad 06.03.2010
2.
Solange der "Feind" nämlich die westlichen Alliierten im Land sind, wird es weitergehen. Natürlich kann man das Land derzeit nicht sich selbst überlassen, aber man soll endlich aufhören, seine westlichen Gedanken in die arabischen Gehirne eintrichtern zu wollen. Das hat nie funktioniert und es wird nie funktionieren. MadMad von www.diemeinungen.de
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