Massenproteste Zahl der Toten im Irak steigt auf mehr als 70

Tausende Menschen gehen im Irak auf die Straße, um gegen Korruption und Misswirtschaft zu protestieren. Bei den Demonstrationen sind bereits 73 Menschen ums Leben gekommen, etliche wurden verletzt.

Massenproteste im Irak: Schon mehr als 70 Tote bei Unruhen im ganzen Land
Khalid Mohammed/ AP

Massenproteste im Irak: Schon mehr als 70 Tote bei Unruhen im ganzen Land


Die Zahl der Toten bei den mehrtägigen Protesten im Irak ist weiter gestiegen. Seit Beginn der Demonstrationen vor vier Tagen seien 73 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen 35 Demonstranten, teilte die staatliche Menschenrechtskommission in Bagdad mit.

Demnach wurden mehr als 3200 Menschen verletzt. Bei der überwiegenden Zahl der Opfer handele es sich um Demonstranten. Außerdem seien Dutzende Gebäude beschädigt worden. (Lesen Sie hiermehr zu den Protesten)

In der Hauptstadt sowie in mehreren anderen Provinzen - insbesondere im Süden des Landes - waren am Dienstag Proteste gegen Korruption und Misswirtschaft ausgebrochen. Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas und Schüssen gegen die Demonstranten vor.

Hohe Jugendarbeitslosigkeit, Korruption, Strom- und Wasserknappheit

Am Samstag will das Parlament zu einer Krisensitzung zusammenkommen. Am Donnerstagmorgen hatte die Regierung eine Ausgangssperre verhängt. Doch sie scheint die Lage trotzdem nicht unter ihre Kontrolle zu bekommen. Uno-Generalsekretär António Guterres rief die Regierung und die Demonstranten zu einem Dialog auf. Alle Beteiligten müssten "äußerste Zurückhaltung" zeigen, sagte er.

Der Druck auf die Regierung von Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi wächst zugleich weiter. Der einflussreiche schiitische Geistliche Muktada al-Sadr forderte ihren Rücktritt. Sein Block hatte bei der Parlamentswahl im vergangenen Jahr die meisten Sitze im Parlament gewonnen und die Regierung bislang unterstützt.

Der Irak ist ein junges Land - die meisten der rund 40 Millionen Iraker sind unter 24 Jahre alt. Doch sie können die Zukunft kaum mitbestimmen. Zwar gibt es regelmäßige Wahlen, dennoch wird das Land nicht als sonderlich frei eingestuft. Hinzu kommen die innenpolitischen Probleme des Landes. Dazu gehören die immer noch hohe Jugendarbeitslosigkeit, die Strom- und Wasserknappheit und die Angst vor einer Rückkehr der Terrormiliz "Islamischer Staat".

bam/dpa



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