Irak Zwölf Tote bei Selbstmordattentat

Ein Selbstmordattentäter hat nahe der irakischen Stadt Ramadi elf Polizisten mit sich in den Tod gerissen. Der Täter hatte an einer Straßenkontrolle eine Autobombe gezündet. In Bagdad brachten Männer fünf Dolmetscherinnen um.


Bagdad - Bei den Verletzten handelte es sich um neun irakische Sicherheitskräfte, zwei US-Soldaten und drei Zivilisten, wie ein US-Militärsprecher am Freitag mitteilte. Im Osten der Hauptstadt Bagdad töteten bewaffnete Männer fünf Dolmetscherinnen, die für die US-Streitkräften arbeiteten. Polizeisprecher Ahmed Abud erklärte heute, die Frauen seien am Vorabend auf dem Weg nach Hause gewesen, als sie aus zwei Autos heraus mit Maschinengewehren beschossen worden seien.

Eine Gruppe irakischer Polizisten eröffnete gestern versehentlich das Feuer auf eine Einheit Soldaten. In einem zehnminütigen Gefecht wurden fünf Menschen getötet. Der Vorfall ereignete sich in der nordirakischen Stadt Rabia. Die Soldaten trugen Zivilkleidung, wie der Polizeichef der Region, Ahmed Mohammed Chalaf, mitteilte. Die Polizisten hätten sie deshalb für Aufständische gehalten.

Hunderte Mitarbeiter von Elektrizitätswerken zogen gestern durch Bagdad und forderten ein Ende der Anschläge auf Einrichtungen der öffentlichen Versorgung. Auf ein schwarzes Transparent hatten sie die Namen ihrer getöteten Kollegen geschrieben. Zur gleichen Zeit forderten in Basra im Süden des Landes mehr als 200 Arbeiter, dass der neue Minister für Verkehr und Öl aus ihrer Region kommen müsse.

Vertreter der Kurden und Schiiten debattierten gestern weiter über die Verteilung der Kabinettsposten in der neuen Regierung. Der schiitische Unterhändler Abdul Karim al-Ansi erklärte, die Abgeordneten könnten bei der zweiten Parlamentssitzung in der kommenden Woche einen Präsidenten, zwei Vizepräsidenten und den Parlamentspräsidenten wählen.

Knapp drei Wochen nach den Schüssen auf den Wagen der Journalistin Giuliana Sgrena im Irak forderte das italienische Justizministerium die US-Armee laut Zeitungsberichten auf, das Fahrzeug für eine Untersuchung freizugeben. Das Ministerium reagierte damit offenbar auf die Weigerung der US-Streitkräfte, italienischen Ermittlern Zugang zu dem Auto zu gewähren, in dem der Geheimdienstagent Nicola Calipari tödlich getroffen wurde. Das Fahrzeug steht seit dem Vorfall am 4. März auf dem Bagdader Flughafen. In einem bisher rätselhaften Entführungsfall im Irak nahm Generalbundesanwalt Kai Nehm ein Ermittlungsverfahren wegen versuchter Nötigung von Verfassungsorganen auf. Sprecherin Frauke-Katrin Scheuten erklärte in Karlsruhe auf Anfrage, mit weiteren Ermittlungen werde das Bundeskriminalamt beauftragt. Die Generalbundesanwaltschaft war nach eigenen Angaben am Dienstag auf den Fall aufmerksam geworden. Am Mittwoch ging im Bagdader Büro des US-Magazins "Time" ein Video ein, das die Nachrichtenagentur AP einsehen konnte. Der Entführte erklärt in dem Video, er heiße Hassan al-Sajdi und habe einen deutschen Pass.

Seine mutmaßlichen Entführer fordern darin die Bundesregierung auf, alle Muslime freizulassen und ihre Sicherheitszusammenarbeit mit der "ungläubigen Regierung im Irak" zu beenden. Berliner Regierungskreise hatten bisher keine Anhaltspunkte, dass der Mann tatsächlich Deutscher ist.

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