Irakische Pläne Ausländische Truppen sollen bis Ende 2007 abziehen

Wie lange werden die Truppen der Alliierten noch im Irak bleiben? George Bush und Tony Blair geraten immer mehr unter Erklärungsdruck. Der irakische Ministerpräsident prescht indes schon mal mit einem eigenen Zeitplan vor.


Washington/Bagdad - Aus amerikanischen Regierungskreisen hieß es vor einem Treffen von US-Präsident Bush und Großbritanniens Premier Blair, Erklärungen zu einem möglichen Truppenabzug werde es wohl nicht geben. Nach den Worten des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki könnten die Sicherheitskräfte aber schon in 18 Monaten in der Lage sein, fast im ganzen Land die Kontrolle zu übernehmen.

Irakischer Soldat vor dem Wrack eines Autos: Starker Anstieg der Gewalt
REUTERS

Irakischer Soldat vor dem Wrack eines Autos: Starker Anstieg der Gewalt

Die irakischen Streitkräfte bräuchten aber mehr Rekruten, Ausbildung und Gerät, sagte Maliki gestern nach einem Treffen mit dem dänischen Regierungschef Anders Fogh Rasmussen in Bagdad. Rasmussen zählt zu den entschiedensten Befürwortern der amerikanischen Irak-Politik. Er und sein Verteidigungsminister Sören Gade besuchten das Kontingent der 530 dänischen Soldaten, die in der Nähe der südirakischen Stadt Basra stationiert sind.

Bush deutete an, dass die Regierungsbildung in Bagdad zu einer Neubestimmung der Irak-Politik führen könnte. Er rief die Öffentlichkeit dazu auf, die Entwicklung nicht allein an der anhaltenden Gewalt zu messen. Dies verstelle den Blick auf die politischen und militärischen Fortschritte, sagte Bush. Zurzeit sind rund 132.000 US-Soldaten im Irak. Seit Beginn des Krieges im März 2003 kamen mehr als 2450 US-Soldaten ums Leben.

Die seit dem Anschlag vom 22. Februar auf die Goldene Moschee in Samarra stark gestiegene Gewalt macht es aber unwahrscheinlich, dass die von den USA geführten Truppen schon bald abgezogen werden können. Truppenreduzierungen werden aber nicht ausgeschlossen. Zur Verbesserung der Sicherheit will Maliki die Zahl der Polizisten und Soldaten von derzeit rund 254.000 Mann bis zum Ende des Jahres auf 273.000 erhöhen. Bis auf die Provinzen Anbar und Bagdad, in denen die Gewalt am heftigsten ist, könnten die Sicherheitskräfte dann die Kontrolle im Land übernehmen, sagte Maliki.

Im Irak werden immer mehr Mordanschläge aus dem fahrenden Auto heraus verübt - allein gestern wurden so 17 Menschen getötet. Unter den Opfern waren ein Provinzbeamter im Norden des Landes mit zwei Leibwächtern und ein Polizist, aber auch zwei Straßenverkäufer, zwei Tagelöhner und ein Taxifahrer. In vielen Fällen bleibt unklar, ob es sich um politisch oder religiös motivierte Verbrechen oder um persönliche Racheakte handelt. Heute wurden unter anderem drei Menschen bei einem Bombenanschlag in Bagdad getötet. Ein irakischer General wurde bei einem Attentat verwundet, sein Fahrer erschossen.

dab/AP

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