SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

22. September 2018, 13:47 Uhr

Iran

Mehr als 20 Menschen sterben bei Anschlag auf Militärparade

Bei einem Anschlag auf eine Militärparade in Iran sind mehr als 20 Menschen getötet worden, mehr als 60 wurden verletzt. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" reklamiert die Tat für sich, lieferte aber keine Belege.

Bei einem Anschlag auf eine Militärparade der Revolutionsgarde im Südwesten des Iran sind am Samstag nach amtlichen Angaben 25 Menschen getötet worden. Mehr als 60 Menschen seien zudem verletzt worden, als Unbekannte in der Stadt Ahwas das Feuer auf eine Zuschauertribüne mit offiziellen Vertretern eröffneten, meldete die halbamtliche Nachrichtenagentur Isna.

Über das Schicksal der vier Schützen gibt es unterschiedliche Berichte. Zunächst hieß es, zwei seien erschossen und zwei verhaftet worden. Das Staatsfernsehen berichtet nun, dass alle vier getötet worden seien. Laut iranischen Medienberichten trugen sie Militäruniformen.

Unter den Todesopfern befinde sich auch ein Journalist, wurde der stellvertretende Gouverneur der Provinz Chusestan, Ali Hossein Hosseinsadeh, von der Agentur zitiert. Er gehe davon aus, dass die Zahl die Toten noch steige.

Unter den Verletzen sind offenbar auch Zuschauer der Parade. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Soldaten auf dem Boden krochen, um den Schüssen auszuweichen. Frauen und Kinder liefen um ihr Leben.

"Islamischer Staat" reklamiert Tat für sich

Wie die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars berichtete, hatten während der Parade bewaffnete Männer in die Zuschauermenge geschossen. Anschließend versuchten sie demnach, auch auf die Tribüne für offizielle Besucher zu feuern. Sicherheitskräfte hätten sie dann niedergeschossen.

Zu dem Anschlag bekannte sich die Terrormiliz "Islamischer Staat", konnte aber keine Belege dafür liefern, dass sie tatsächlich verantwortlich ist. Außenminister Mohammed Dschawad Sarif machte "regionale Terror-Unterstützer und ihre US-Herren" für den Anschlag verantwortlich - die gängige Formulierung für die Erzrivalen Saudi-Arabien und Israel.

Die Islamische Republik werde entschieden auf den Angriff reagieren. In einem Bericht des staatlichen Fernsehens wurden sunnitische Extremisten verantwortlich gemacht. In der Region kommt es immer wieder zu Protesten der sunnitischen Minderheit in dem mehrheitlich schiitisch geprägten Iran.

Angriffe in größeren Städten sind selten

In Iran wird am Samstag mit Militärparaden an den Beginn des Kriegs mit dem Irak von 1980 bis 1988 erinnert. Ahwas liegt in der mehrheitlich von Arabern bewohnten Provinz Chusestan an der Grenze zum Irak. Weiter nördlich kommt es immer wieder zu Angriffen kurdischer Rebellen auf Militärpatrouillen. Angriffe in größeren Städten sind aber selten.

Am 20. Juli waren mindestens zehn Mitglieder der Revolutionsgarden bei einem Rebellenangriff auf einen iranischen Militärposten im Dorf Dari an der Grenze zum Irak getötet worden.

In den iranischen Kurdengebieten sind seit Jahrzehnten mehrere Rebellengruppen aktiv, die für mehr Rechte und mehr Autonomie der ethnischen Minderheit kämpfen. In der gebirgigen Region an der Grenze zum Irak und zur Türkei gibt es regelmäßig Gefechte zwischen Aufständischen und Sicherheitskräften.

Im Juni 2017 waren bei einem Angriff auf das Parlament und das Mausoleum von Ayatollah Khomeini in Teheran 17 Menschen getötet und dutzende weitere verletzt worden. Noch während des Angriffs bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zu der Tat. Bis dahin war der mehrheitlich schiitische Iran von Anschlägen der sunnitischen IS-Miliz verschont geblieben.

jme/dpa/Reuters/AFP/AP

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung