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11. Februar 2012, 13:12 Uhr

Iran

Ahmadinedschad prahlt mit Fortschritten bei Atomprogramm

Irans Präsident Ahmadinedschad zündelt weiter: In einer Rede zum Jahrestag der Islamischen Revolution hat er angekündigt, bald wichtige Fortschritte beim Atomprogramm des Landes präsentieren zu können. Offenbar soll eine neue Anlage zur Urananreicherung den Betrieb aufnehmen.

Teheran/Hamburg - Am 33. Jahrestag der Islamischen Revolution hat der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad Fortschritte im Atomprojekt angekündigt, die der Öffentlichkeit bald vorgestellt würden. Allerdings ist das, was er im Staatsfernsehen ankündigte, höchst diffus beschrieben: Offenbar geht es um die Eröffnung neuer Atomanlagen, die "einen sehr wichtigen und sehr maßgeblichen Fortschritt im Nuklearbereich" des Landes darstellten.

Er bezog sich damit vermutlich auf die Inbetriebnahme einer Anlage in Fordo zur Anreicherung von Uran auf 3,5 Prozent, vier und 20 Prozent. Das reicht nicht für Atomsprengsätze.

Wegen der angeblichen, von Teheran bestrittenen Ambition, eigene Atomwaffen entwickeln zu wollen, steht das Land seit Jahren unter Sanktionen der Vereinten Nationen, der Europäischen Union und der USA. Bisher haben die Wirtschaftssanktionen, unter denen das Land zunehmend leidet, das Nuklearprogramm nicht stoppen können: Gegen internationale Proteste nahm Iran zuletzt das Kernkraftwerk Buschehr in Betrieb. Iran beharrt darauf, dass das nukleare Engagement des Staats nur eine zivile Nutzung beinhalte und nicht auf Waffenentwicklung ziele.

Besondere Brisanz birgt das Thema vor allem, weil Israel eine die Existenz des jüdischen Staates in Frage stellende Atommacht in seiner Nachbarschaft kaum ohne Gegenwehr hinnehmen dürfte. Es wird gemutmaßt, dass die spektakuläre Stuxnet-Virenattacke, die die Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Buschehr um mehrere Monate zurückwarf, von Israel ausgegangen sein könnte. Stuxnet scheint gezielt entwickelt worden zu sein, um die Leittechnik der iranischen Urananreicherungsanlage in Natanz und des Kernkraftwerks Buschehr zu sabotieren. Man geht zudem davon aus, dass Israel militärisch gegen nukleare Anlagen vorgehen könnte. Die gerade in den letzten Wochen wieder vermehrt geäußerte Befürchtung, ein israelischer Angriff auf iranische Atomanlagen könne unmittelbar bevorstehen, dürfte durch Ahmadinedschads Säbelrasseln weiter angeheizt werden.

"Die Welt sollte wissen, dass Iran trotz allen Drucks nicht einen Deut von seinen Prinzipien und seinem Recht (auf Kerntechnik) abrücken wird", sagte Ahmadinedschad zum Abschluss einer Kundgebung in Teheran zur Feier der Islamischen Revolution von 1979. "Wie verfügen nicht nur über die Kenntnisse der Atomtechnik, sondern sind auch in der Lage, mit unseren eigenen Fachleuten für unsere Bedürfnisse zu sorgen."

An der Kundgebung nahmen nach Angaben des Staatsfernsehens Hunderttausende Menschen teil. Als Redner trat auch der Regierungschef des Gazastreifens, Ismail Hanija von der radikalislamischen Hamas, auf. Hanija versicherte in seiner Rede, dass seine Bewegung Israel niemals anerkennen werde, sondern bis zur "vollständigen Befreiung Palästinas und Jerusalems" weiterkämpfen wolle.

Landesweit nahmen nach Angaben der Staatsmedien Millionen Menschen an Veranstaltungen in rund 850 Orten teil. In seiner vom staatlichen Fernsehen übertragenen Rede warf Ahmadinedschad den USA vor, "kein loyaler Freund" der Araber zu sein, sondern "das zionistische Regime" Israels retten zu wollen.

"Das zionistische Regime ist die Quelle aller Weltprobleme und der Iran ist stolz darauf, das einzige Land zu sein, dass den Mut und die Weisheit besessen und das westliche Tabu um den Holocaust gebrochen hat", sagte er. Ahmadinedschad bezweifelt die historische Dimension der Judenverfolgung unter der Nazi-Diktatur. Das Staatsfernsehen zeigte Menschenmengen, die die Parolen "Tod Israel" und "Tod den USA" riefen - seit der Islamischen Revolution quasi ein traditioneller Bestandteil staatlicher Feierlichkeiten in Iran.

pat/AFP/dpa

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