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09. November 2011, 11:29 Uhr

Iran

Ahmadinedschad will Atomprogramm niemals aufgeben

Iran hat an Nuklearwaffen gearbeitet, stellt ein Bericht der IAEA fest - und Teheran weist die Besorgnis der Welt brüsk zurück. Präsident Ahmadinedschad hat jede Änderung am Atomprogramm kategorisch ausgeschlossen: "Wir werden nicht ein Jota von unserem Weg abrücken."

Teheran - Iran wird sein umstrittenes Atomprogramm nach eigenen Angaben niemals aufgeben. "Wir werden nicht ein Jota von dem Weg abrücken, den wir eingeschlagen haben", sagte der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Staatsfernsehen. Zugleich wies er erneut die im jüngsten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) erhobenen Vorwürfe zurück, das iranische Atomprogramm ziele auf den Bau von Nuklearwaffen ab. "Wir brauchen keine Atombombe", sagte Ahmadinedschad. Die IAEA habe ihre Würde beschmutzt, indem sie die "unbestätigten Behauptungen Amerikas" übernommen habe, sagte er.

Auch der iranische Vertreter bei der IAEA, Ali Asghar Soltanieh, sagte, Iran werde "niemals seine legitimen Rechte aufgeben". Dem IAEA-Chef Yukiya Amano warf er vor, in "parteiischer, politischer und unprofessioneller" Weise gehandelt zu haben, da der veröffentlichte Bericht auf "falschen Anschuldigungen einer kleinen Anzahl von Ländern" beruhe, darunter die USA. Teheran werde diesen "historischen Fehler nicht unbeantwortet lassen", sagte er laut Berichten der Nachrichtenagentur Irna. Die "Antwort" werde gemeinsam mit anderen Staaten getroffen, die den Bericht ebenfalls ablehnten.

Dem am Dienstag veröffentlichten IAEA-Bericht zufolge liegen Belege vor, wonach Iran an der Entwicklung einer Nuklearwaffe gearbeitet und dazu bereits Tests einzelner Komponenten vorgenommen hat. Israels Präsident Schimon Peres hatte am Wochenende erklärt, ein Angriff Israels und anderer Länder auf iranische Atomanlagen werde "immer wahrscheinlicher". Der stellvertretende iranische Generalstabschef Massud Dschasajeri drohte Israel am Mittwoch laut einem Bericht des iranischen Staatsfernsehens in arabischer Sprache mit "Zerstörung", sollte das Land die iranischen Atomanlagen angreifen.

Extrem besorgt reagierte die Führung der EU auf den Bericht der IAEA. "Der neue Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde verschärft die Besorgnis über die Art des iranischen Atomprogramms erheblich", erklärte die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton. Die EU werde sich "jetzt intern mit ihren Partnern abstimmen", um eine "angemessene Reaktion" der IAEA auszuarbeiten, sagte Ashton-Sprecherin Maja Kocijancic. Der Bericht der Wiener Behörde deute stark darauf hin, "dass es ein vollständiges Programm zur Entwicklung von Atomwaffen in Iran gibt".

Frankreichs Außenminister Alain Juppé forderte, der Uno-Sicherheitsrat solle sich mit dem Atomstreit befassen. Sollte Iran nicht die Forderungen der Staatengemeinschaft erfüllen und die Zusammenarbeit verweigern, sei man zu Sanktionen "in einem bislang nicht bekannten Ausmaß" bereit, sagte er dem Sender RFI. Die internationale Gemeinschaft müsse den diplomatischen Druck auf eine neue Ebene steigern, falls Iran nicht die Besorgnisse aus dem jüngsten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde ausräume, es strebe Atomwaffen an. Präsident Nicolas Sarkozy hatte sich vorige Woche für Sanktionen ausgesprochen. Für Gespräche über einen Militärschlag gegen Iran sei es aber noch zu früh. Auch Deutschland erwägt härtere Maßnahmen gegen Teheran. Es müsse über eine Verschärfung der Sanktionen beraten werden, falls Iran kein Entgegenkommen zeige, sagte Außenminister Guido Westerwelle. Er betonte aber: "Eine Diskussion über militärische Optionen lehnen wir ab."

Entschieden gegen Sanktionen haben sich unterdessen China und Russland ausgesprochen. In der chinesischen Parteizeitung "Renmin Ribao" wurde vor der Gefahr eines militärischen Konflikts gewarnt.

anr/AFP/dpa/dapd

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