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13. Mai 2013, 10:16 Uhr

Korruption in Iran

Der Bling-Bling-Ajatollah

Ein Gehalt ist für Irans Ajatollah nicht vorgesehen, aber er steht Kraft seines Amtes religiösen Stiftungen vor, die immense Vermögen verwalten. Dabei gehen die frommen Investoren recht ruppig vor - wie ein BMW-Importeur erzählt, der im Namen des Revolutionsführers enteignet wurde.

Großajatollah Ali Chamenei gibt sich gern als bescheidener Mann. Regelmäßig zeichnen Irans staatliche Medien von ihm das Bild eines Mannes, der von Spenden lebt. So arm sei er, dass er sich immer wieder Geld von Freunden borgen muss, heißt es da.

Tatsächlich sehen Irans Gesetze für den obersten Revolutionsführer kein Gehalt vor. Doch dafür steht der Ajatollah einigen von Irans wichtigsten Wirtschaftsinstitutionen vor - religiösen Stiftungen, deren Vermögen inzwischen auf Milliarden angewachsen sind. Und weil sie dem Obersten Revolutionsführer unterstellt sind, bleiben sie von Steuern befreit.

Die Stiftungen des Ajatollahs besitzen Beteiligungen überall dort, wo man sich hochlukrative Investitionen verspricht: vom Immobilienmarkt über die Telekommunikationsindustrie bis zum Autohandel.

Nur selten gibt es für Außenstehende Einblicke in diese komplexe Wirtschaftwelt Irans. Nun beschreibt der Unternehmer Ali Nurijani in einem Interview mit der iranischen Nachrichtenseite Fararu, wie Geschäfte mit Irans oberstem Investor ablaufen.

Die Herren von der Stiftung kamen vorbei und machten Druck

Nurijani war offizieller BMW-Händler in Iran, bis BMW nach eigenen Angaben 2009 die Zusammenarbeit mit dem Land einstellte. Danach verkaufte Nurijani weiter Fahrzeuge, die bereits importiert waren.

"Die Herren von der Schah Abdulasim Stiftung kamen in mein Büro und boten mir an, mich aus meinem Unternehmen herauszukaufen und mit meinem Unternehmen zusammenzuarbeiten", zitiert die britische Tageszeitung "The Telegraph" aus dem Interview. Stück für Stück habe die Stiftung sein Unternehmen gekapert.

"Ich musste ihnen schrittweise immer mehr Anteile an meiner Firma übergeben", erzählt Nurijani. Die Schah Abdulasim Stiftung übernahm die Mehrheit an Nurijanis Unternehmen, benannt nach seiner Familie, und taufte es in "Persia Khodro" um. Nurijani hatte nichts mehr zu melden. "Einige Bekannte haben mich gefragt, wie ich das ohne Herzinfarkt überstanden habe", sagt Nurijani.

Korruption gehört zum System

Es ist eine Vorgehensweise, wie sie aus vielen autoritären Regimen bekannt ist. Mangels Transparenz und Kontrolle plündern die Machthaber und ihre Verbündeten ungehindert die Wirtschaft. Als Cashcow besonders beliebt ist dabei jedes Mal wieder der Import deutscher Luxusautos.

In Tunesien war der Mercedes-Handel in der Hand des gestürzten Ben-Ali-Clans. In Syrien versuchte Rami Machluf, Cousin von Baschar al-Assad, Mercedes zu kapern. Die Businesselite und der Sicherheitskomplex sind in autoritären Regimen meist eng verwoben. Korruption gehört zum System. Internationale Sanktionen, die Teile der Wirtschaft zum Schwarzmarkt machen, können sie noch verstärken.

Ausgerechnet der Ajatollah hat Korruption und Misswirtschaft in Iran zum Problem erklärt. Von den Präsidentschaftswahlen im Juni erhofft er sich einen effizienteren Manager als Mahmud Ahmadinedschad, der nicht mehr antreten darf. Irans Wirtschaft ist in einem desaströsen Zustand. Dass Chamenei bei seinen Forderungen nach besserem Management auch an seine Unternehmen denkt, ist kaum vorstellbar. Die laufen ja schließlich gut.

ras

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