Deal mit dem Westen Irans religiöser Führer stellt Atomabkommen infrage

Nach jahrelangem Ringen zwischen Teheran und dem Westen steht ein vorläufiges Atomabkommen. Doch nun sagt Irans religiöser Führer Ali Khamenei, dies sei noch keine bindende Vereinbarung - er sei nicht vollends überzeugt.
Irans religiöser Führer Ali Khamenei: Nicht vollends überzeugt

Irans religiöser Führer Ali Khamenei: Nicht vollends überzeugt

Foto: AFP

Irans religiöser Führer Ali Khamenei hat die Gültigkeit des vorläufigen Atomabkommens mit den Uno-Vetomächten und Deutschland relativiert. Es gebe noch keine "bindende Vereinbarung", sagte er laut einer Mitteilung. Eine in den USA veröffentlichte "Faktenübersicht" zu dem Deal zeige zudem die "teuflischen Absichten" Washingtons.

Was "bis jetzt" vereinbart worden sei, garantiere weder ein Abschlussabkommen "noch dessen Inhalt" - und noch nicht einmal, dass die Verhandlungen "bis zum Ende" fortgesetzt würden, sagte Khamenei demnach weiter. Zudem sei eine eigene Atomindustrie für Iran eine "Notwendigkeit".

Er selbst sei weder mit der Vereinbarung einverstanden noch lehne er sie vollends ab, sagte Khamenei. "Alles liegt in den Details - es könnte sein, dass die betrügerische andere Seite uns in den Details beschränken will." Auch Staatspräsident Hassan Rohani meldete sich erneut zu Wort: Teheran werde einem endgültigen Abkommen im Atomstreit nur zustimmen, wenn "am selben Tag" alle Sanktionen aufgehoben werden.

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Die fünf Uno-Vetomächte und Deutschland hatten sich in der vergangenen Woche mit Iran auf ein Rahmenabkommen geeinigt, das Teheran die Nutzung der Kernenergie erlauben soll, ohne dass das Land damit Atomwaffen entwickeln kann. Bis Ende Juni soll ein finales Abkommen stehen.

Hält sich Iran an die Vorgaben, sollen die internationalen Sanktionen aufgehoben werden. In Iran war die Vereinbarung dazu als zu vage kritisiert worden. Während der Westen die Strafmaßnahmen nur schrittweise aussetzen will, fordert Teheran die sofortige Aufhebung aller Sanktionen, die in dem Land eine schwere Wirtschaftskrise ausgelöst haben.

Israel sieht sich durch das Abkommen mit seinem Erzfeind in seiner Existenz bedroht. Zuletzt hatte Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu den Atomdeal daher als "sehr, sehr schlecht" angeprangert. Das Abkommen von Lausanne ebne den Weg zu einer iranischen Atombombe, warnte der Premier in Interviews mit mehreren US-Fernsehsendern. US-Präsident Obama verteidigte die Vereinbarung hingegen "als einmalige Chance im Leben". Obama äußerte zwar Verständnis für israelische Besorgnisse, es gebe jedoch keine bessere Option, iranische Atomwaffen zu verhindern.

Der Atomkonflikt mit Iran im Überblick:

mxw/Reuters/AFP