Wien Atomgespräche mit Iran werden verlängert

Eine Einigung bis Mitternacht über das Atomprogramm war offenbar nicht zu schaffen. Die Verhandlungen der internationalen Gemeinschaft mit Iran werden deshalb bis Freitag verlängert - mit möglicherweise weitreichenden Folgen.

Atomkraftwerk in Buscher: Noch immer keine Einigung im Nuklearstreit
dpa

Atomkraftwerk in Buscher: Noch immer keine Einigung im Nuklearstreit


Der Poker um das Atomprogramm Irans geht in die Verlängerung. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini kündigte am Dienstag in Wien an, die Gespräche würden erneut um einige Tage fortgesetzt. Die Gespräche sollten in den kommenden Tagen weitergehen, sagte Mogherini am Dienstag in Wien. Später wurde der Freitag als Frist genannt.

Eigentlich wollten die Unterhändler bis zum Ablauf des heutigen Dienstags eine Einigung erzielen. Die Frist hatte ursprünglich bereits Ende Juni geendet und war schon einmal verlängert worden.

Die verhandelnde Sechser-Gruppe aus den USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland verdächtigt Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms Atomwaffen zu entwickeln. Iran bestreitet das, lässt aber internationale Kontrollen seiner Atomanlagen nicht zu. Die Uno hat deshalb Sanktionen gegen die islamische Republik verhängt.

Auch wenn einige der Außenminister der sieben beteiligten Länder zunächst abreisten, bedeute das keine Unterbrechung der Gespräche, sagte Mogherini. Weiterhin sei das Ziel, in dieser Runde zu einem Abschluss zu kommen: "Wenn, dann jetzt."

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) will ebenfalls an den Gesprächen teilnehmen und sagte seine geplante Kubareise vorerst ab - es wäre der erste Besuch eines bundesdeutschen Außenministers auf der Insel. Steinmeiers Reise sei aufgrund der verlängerten Iranverhandlungen auf unbestimmte Zeit verschoben, teilte das Auswärtige Amt mit. Es werde angestrebt, die Reise so bald wie möglich nachzuholen, hieß es weiter in Berlin.

Knackpunkte der Verhandlungen sind das Ende der Sanktionen gegen iranische Raketenprogramme und Handelsverbote für konventionelle Waffen. Ungeklärt sind ferner Fragen zu den Zeiten für die Aufhebung weiterer Sanktionen. Auch Untersuchungen zur angeblichen früheren Atomwaffenforschung des Irans durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) sind umstritten.

Die Verlängerung der Gespräche dürfte weitreichende Konsequenzen haben. Liegt dem US-Kongress eine Übereinkunft bis Donnerstag vor, hätten die Abgeordneten 30 Tage Zeit zur Überprüfung. Eine Einigung mit Iran ist eines der großen Projekte von Präsident Barack Obama.

Bei Verzögerungen verdoppelt sich diese Zeit, denn der Kongress geht dann in die Sommerpause. Das würde Gegnern eines Abkommens - besonders in den USA, in Iran und auch in Israel - mehr Zeit geben, eine Übereinkunft zu torpedieren.

als/dpa/Reuters/AFP

insgesamt 58 Beiträge
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atherom 07.07.2015
1. Sie werden so lange verlängert, bis der Iran die
Atombombe hat. Wie Spiegel korrekt feststellt wird dadurch den (bösen) Gegnern des Abkommens mehr Zeit gegeben dieses zu torpedieren - es wird natürlich nicht helfen, weil der Iran sehr zahlungskräftig ist. Später werden ähnliche Verhandlungen mit dem IS geführt (sofern genug Geld vorhanden ist, um mit dem IS Geschäfte machen zu können).
paulrevere 07.07.2015
2. die weltpolizei
sollte sich lieber mal israel "annehmen", das noch nicht einmal einem atomwaffensperrvertrag beigetreten, aber bis an die zähne durch deutsche und amerikanische steuergeldern bewaffnet wurde. mit iran befindet sich die welt wenigstens in einem diskurs.
primosantoro 07.07.2015
3.
Was heißt den das: Iran bestreitet das, lässt aber internationale Kontrollen seiner Atomanlagen nicht zu." klar,die IAEO ist permanent am prüfen. Woher haben Sie den diese Fehlinformationen? Guter und objektiver Journalismus sieht anders aus!
magakles 07.07.2015
4.
Zitat von atheromAtombombe hat. Wie Spiegel korrekt feststellt wird dadurch den (bösen) Gegnern des Abkommens mehr Zeit gegeben dieses zu torpedieren - es wird natürlich nicht helfen, weil der Iran sehr zahlungskräftig ist. Später werden ähnliche Verhandlungen mit dem IS geführt (sofern genug Geld vorhanden ist, um mit dem IS Geschäfte machen zu können).
Seit wie viel Jahren versucht der böse (Köpfe abschlagende, Frauen verachtende) Iran die Atombombe zu entwickeln? Wie viel Zeit benötigen sie denn noch? Die Bombe wird nicht gebaut. Der Iran muss sanktioniert werden, da sich sonst eine neue wirtschaftliche, politische und militärische Macht entwickelt. Wir wissen, dass der Iran und die Saudis nicht gut miteinander können. Und wir wissen auch, dass die guten (Köpfe abschlagende, Frauen verachtende) Saudis unsere Freunde sind. Zusammenzählen kann jeder für sich
Snozzlebert 07.07.2015
5.
Wenn die USA nicht in der Gruppe wäre, gäbe es doch schon längst eine Einigung - inzwischen ist ja nicht mal mehr klar ob der Präsident in den USA überhaupt die Kompetenzen hat so einem Deal zuzustimmen. Es liegt klar an den unrealistischen Forderungen des Westens - sie verlagen etwas, das sie selbst nicht bereit sind zu bringen. Jeder weiss das Iran keine Atombombe baut aber wenn es jetzt nichts wird zwingen wir sie fast dazu tatsächlich die Bombe zu bauen. Pakistan und Nord fucking Korea haben Atombomben, wenn der Iran nach der Bombe streben würde, hätten sie die schon lange.... Es ist doch seit den 80ern die selbe leier der Iran wär kurz davor die Bombe zu bauen... So ein BS!
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