Iran Atombehörde sieht Anzeichen für Waffenprogramm

Die internationale Atomenergiebehörde sieht erstmals Anzeichen für eine nukleare Aufrüstung Irans. Teheran müsse den Verdacht ausräumen. Unterdessen droht eine Uno-Resolution am Veto Chinas zu scheitern.

Irans Präsident Ahmadinedschad mit Atombehördenchef El Baradei: Frostiges Verhältnis
dpa

Irans Präsident Ahmadinedschad mit Atombehördenchef El Baradei: Frostiges Verhältnis


Berlin - Iran könnte nach Auffassung der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA an einer Atomwaffe arbeiten. Dies geht aus einem neuen Iran-Bericht der Uno-Behörde hervor. Darin zeigte sich die IAEA besorgt über ihr vorliegende Informationen, dass das islamische Land bereits an einem Atomwaffensprengkopf baut. Es ist das erste Mal, dass die in Wien ansässige Behörde in einem Bericht so konkret von einer nuklearen Bedrohung durch Iran spricht.

Die Regierung in Teheran müsse unverzüglich mit der Behörde zusammenarbeiten, um den Verdacht auf militärische Dimensionen seines Atomprogramms auszuräumen. Zugleich teilte die IAEA mit, ihre Inspektoren hätten eine erste Anreicherung von Uran in Iran auf 20 Prozent bestätigt. Die Uno-Behörde bemängelte, dass die Inspektoren vorab nicht rechtzeitig über die höhere Anreicherung informiert worden seien.

Die Organisation hatte vorgeschlagen, dass Iran sein Uran im Ausland anreichern lässt. Damit sollten internationale Bedenken ausgeräumt werden, dass der Golfstaat in den Besitz der Atombombe gelangen könnte. Die Führung in Teheran hatte allerdings zahlreiche Bedingungen für den Uran-Austausch gestellt. Die Sechsergruppe aus den Uno-Vetomächten USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien sowie Deutschland lehnten die Forderungen als unannehmbar ab. Als Ahmadinedschad daraufhin die Anreicherung von Uran auf 20 Prozent im eigenen Land anordnete, wurden die Forderungen nach neuen Sanktionen wieder lauter.

Teheran hatte nach dem Scheitern eines Atomdeals mit der IAEA und den Weltmächten in der vergangenen Woche mit einer höheren Urananreicherung als bisher begonnen. Dies wurde als Provokation gegenüber der Internationalen Gemeinschaft gewertet, viele Länder brachten neue Sanktionen ins Spiel. Iran beteuert dagegen weiterhin, mit seinem Atomprogramm nur friedliche Zwecke zu verfolgen.

In einem Interview mit SPIEGEL ONLINE zeigte sich unterdessen einer der führenden Iran-Experten in den USA, Karim Sadjadpour,überzeugt, dass ein Militärschlag gegen Iran wahrscheinlicher werde.

Blockiert China neue Resolution?

Unterdessen gehen Experten davon aus, dass eine von den USA gewünschte neue Uno-Resolution gegen Iran wegen des umstrittenen iranischen Atomprogramms scheitern wird. Peking sehe nicht die Gefahr, dass das Land kurzfristig Atomwaffen herstellen könne, schrieb die renommierte Denkfabrik International Crisis Group am Mittwoch. "Zudem hat China ein starkes Interesse an guten Beziehungen zu Iran", schreiben die Analytiker. Beide Länder sind wichtige Handelspartner. Die Chinesen hätten besonderes Interesse an den Energieressourcen des Landes im Mittleren Osten. Deshalb werde es auch keine Sanktionen gegen Iran geben.

"Peking sieht den iranischen Einfluss im Mittleren Osten und Zentralasien als hilfreich für seine eigenen politischen, wirtschaftlichen und strategischen Ziele", schreiben die Experten der Crisis Group weiter. "Beide Länder teilen zudem wichtige historische und politische Interessen, verstärkt durch einen gemeinsamen Argwohn gegen den Westen." Zudem hätten beide Länder schon Erfahrung mit Sanktionen, die von den USA initiiert worden waren. Allerdings werde Peking vorsichtig sein: Die wirtschaftlichen Beziehungen zu den USA seien weit größer als die zu Iran.

sev/dpa/Reuters

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spieglfechter 16.12.2009
1.
Zitat von sysopMit Raketentests und einer harten Haltung im Atomstreit provoziert Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad den Westen. Trotz Sanktionsdrohungen rückt er nicht von seinem Nuklearprogramm ab - auf jeden diplomatischen Fortschritt scheint ein Rückschlag zu folgen. Wie groß ist die Gefahr wirklich?
Es besteht tatsächlich die Gefahr, daß Israel sein nukleares Monopol verliert. Diese mögliche Veränderung der Machtbalance kann Israel natürlich nicht gefallen. War sonst noch was ?
sayada.b. 16.12.2009
2.
Zitat von sysopMit Raketentests und einer harten Haltung im Atomstreit provoziert Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad den Westen. Trotz Sanktionsdrohungen rückt er nicht von seinem Nuklearprogramm ab - auf jeden diplomatischen Fortschritt scheint ein Rückschlag zu folgen. Wie groß ist die Gefahr wirklich?
Leider kann es wohl niemand so genau einschätzen, wie groß die Gefahr weiklich ist, da Herr A. jedes gegebene Wort und jede Zusage in kürzester wieder zurück nimmt und mit genau dem Gegenteil droht. Siehe Urananreicherung im Ausland... Somit tendiert die Glaubwürdigkeit des gegenwärtigen Regimes gegen Null. Und wer will schon A-Waffen in den Händen dieses Fanatikers sehen?
lebenslang 16.12.2009
3.
wenn es vorher ausgeschaltet wird, ist es nicht gefährlich, soviel ist sicher.
sayada.b. 16.12.2009
4.
Zitat von lebenslangwenn es vorher ausgeschaltet wird, ist es nicht gefährlich, soviel ist sicher.
Durch Verhandlungen? Gut! Durch Zerstörung? Sehr bedenklich! Gewalt erzeugt wieder Gewalt...
Axel Warburg, 16.12.2009
5. Gewalt erzeugt Gewalt
Zitat von sayada.b.Durch Verhandlungen? Gut! Durch Zerstörung? Sehr bedenklich! Gewalt erzeugt wieder Gewalt...
sayada, die Kombination aus den Drohgebährden und der Entwicklung von Nuklearwaffen IST Gewalt und wird Gewalt erzeugen. Wenn einer Dir erklärt, dass Du bald tot sein wirst, die Waffe zieht, und nicht bereit ist, sie augenblicklich abzulegen, dann ist Deine Gewalt gegen ihn als Notwehr gedeckt, z.B. wenn Du die Waffe aus seiner Hand wegschießt.
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