Schüsse über den Bug Das Rätsel der "Maersk Tigris" vor Irans Küste

Iranische Revolutionsgarden haben einen westlichen Frachter unter ihre Kontrolle gebracht. Laut Reederei geht es der Besatzung gut. Doch die Hintergründe bleiben mysteriös.

Iranische Marine (Archiv): Schüsse über den Bug
REUTERS/ Fars News

Iranische Marine (Archiv): Schüsse über den Bug


Die Informationen über das beschlagnahmte Containerschiff "Maersk Tigris" fließen nur spärlich. Die dänische Reederei Maersk versucht nach eigenen Angaben, die Hintergründe der Aktion zu erfahren. Man sei im Gespräch mit dem dänischen Außenministerium, hieß es am Mittwochvormittag. Bisher gebe es keine Informationen über die Gründe für die Beschlagnahmung.

Iran hatte am Vortag das Feuer auf das Frachtschiff im Persischen Golf eröffnet und es anschließend unter seine Hoheit genommen. Die iranischen Revolutionsgarden hätten über den Bug der "Maersk Tigris" gefeuert, als sie die Straße von Hormus durchquert habe, hieß es aus dem US-Verteidigungsministerium. Anschließend wurde das Schiff zur iranischen Insel Larak vor der Hafenstadt Bandar Abbas geleitet.

Der Mannschaft geht es offenbar gut. Laut einem Sprecher des Schiffsmanagements gab es am Mittwoch ein Telefongespräch mit der Crew. Demnach ist die Besatzung in relativ guter Verfassung und an Bord des Schiffes in Sicherheit.

Pentagon-Sprecher Steve Warren sagte, der Kapitän des Schiffes habe sich geweigert, einen Befehl Irans zu befolgen. Nach den Warnschüssen über die Schiffsbrücke habe der Frachter einen Notruf an die US-Marine gesendet, die in der Region stationiert ist, meldete die Nachrichtenagentur AP. Die USA hätten daraufhin einen Zerstörer, einen Seeaufklärer und ein Kampfflugzeug geschickt, um die Lage zu überwachen. Niemand sei verletzt worden.

Das Schiff fährt unter der Flagge der Marshallinseln und war im Auftrag der Reederei Rickmers Ship Management mit Sitz in Singapur unterwegs. Das Unternehmen gehört zur Rickmers Group mit Sitz in Hamburg. Der Website Marine Traffic zufolge ist der Frachter 250 Meter lang.

Laut dem Rickmers Ship Management ist das Schiff auf einer Handelsroute zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterwegs gewesen.

Irans Revolutionswächter spielten den Vorfall herunter: Ein Gericht in Teheran habe angeordnet, das Schiff zu beschlagnahmen. Der Vorfall habe keine politische oder militärische Dimension, es gehe lediglich um einen Rechtsstreit, in dem ein iranisches Privatunternehmen Forderungen erhoben habe, teilte die amtliche Nachrichtenagentur Irna in Teheran mit.

ler/dpa/Reuters



insgesamt 92 Beiträge
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kainkani 29.04.2015
1. gut so
Alles was gegen die Saudis und deren Terror abgeht finde ich persönlich gut...zum Glück ist niemand verletzt aber auch iran hat seine rechte
thomas.b 29.04.2015
2.
Damals hat ein US-Hedgefond ein argentinisches Kriegsschiff beschlagnahmt, insofern dürfte so etwas heute nicht mehr außergewöhnlich sein...
megamekerer 29.04.2015
3. Was ist mysteriös!
Lt. ISNA offizielle iranische Nachrichtenportal hat Iran dieses Schiff gestoppt weil eine internationale Ersuchen von der Seite der Eigentümer dieses Schiffes vorliegt! Nun hat die Sache mit Saudi Arabien nicht zu tun! Auch nicht damit, dass der neue saudische Sultan seine Stellvertreter gefeuert hat weil dieser gegen den Krieg in Jemen war und Sultan den Sohn seinen Bruder an seine Stelle eingesetzt hat! Es passieren dort sehr viele Dinge, was unsere Medien davon nicht berichten weil unsere Medien immer warten bis Amerikaner als erste berichten und dann sind wir daran! Wie schön funktioniert unsere Demokratie und Pressefreiheit, dass wir alles mit der Fuße treten um Israel und Amerika nicht zu verärgern!
Trondesson 29.04.2015
4.
Ein Warnschuß in die Luft, wahrscheinlich auch noch mit einer Handfeuerwaffe, wird hier also als "das Feuer auf das Schiff eröffnen" bezeichnet. Wäre interessant zu wissen, wie das im Falle umgekehrter Hoheitszeichen ausgesehen hätte.
rational_bleiben 29.04.2015
5.
Zitat von kainkaniAlles was gegen die Saudis und deren Terror abgeht finde ich persönlich gut...zum Glück ist niemand verletzt aber auch iran hat seine rechte
Hmm, entweder sie sprechen hier von Saudi-Iranien oder ich habe etwas nicht verstanden.
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