Kurswechsel unter Rohani Iran beseitigt antiamerikanische Hassplakate

"Nieder mit den USA": Parolen wie diese prangten noch vor wenigen Wochen auf Plakaten in Iran. Jetzt fordert die Regierung in Teheran laut CNN, die antiamerikanischen Aufrufe abzuhängen - ein ungewöhnlicher und im Land umstrittener Schritt.

Antiamerikanische Parole in Teheran (Archivbild): "Nieder mit den USA"
AFP

Antiamerikanische Parole in Teheran (Archivbild): "Nieder mit den USA"


Bald ist es 34 Jahre her. Doch der 4. November erregt die Gemüter noch immer, dieser Tag im Jahr 1979, an dem Anhänger der Islamischen Revolution die US-Botschaft in Teheran stürmten und das Verhältnis zwischen Iran und den USA nachhaltig gestört wurde.

Irans neuer Präsident Hassan Rohani, seit August im Amt, will nun offenbar mit einer Tradition brechen, die den Jahrestag lange begleitet hat: Rufe und Plakate, die öffentlich den Feind Amerika verdammen. Antiamerikanische Banner wurden erst kürzlich an vielen Stellen in der Hauptstadt aufgehängt.

Doch die neue Regierung unter Rohani hat für diese Meinungsäußerungen derzeit offenbar keine Sympathien: Wie CNN berichtet, werden die Schilder mit Anti-USA-Slogans auf Anweisung von Regierungsmitarbeitern derzeit wieder eingesammelt. Ein Kulturinstitut habe die Plakate ohne Einwilligung der zuständigen Behördenstelle aufgehängt, teilte demnach die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna mit. Angesichts der Menge ist es allerdings fraglich, dass alle Plakate umgehend aus dem Stadtbild verschwinden.

Ob Genehmigung oder nicht: Rohani schlägt sowohl außen- als auch innenpolitisch neue Töne an. Die Anti-Plakataktion passt in dieses Bild. International bemüht sich Rohani um eine Annäherung an den Westen. So hatte er Ende September vor der Uno-Vollversammlung in New York gesprochen und dabei die zivile Ausrichtung des umstrittenen iranischen Atomprogramms betont. Sein Land strebe eine "konstruktive" Zusammenarbeit mit anderen Staaten an, sagte Rohani. In zahlreichen Interviews rund um den Redetermin bemühte er sich zudem um eine Verbesserung der Beziehungen zu den USA und zum Westen. Besonderes Aufsehen erregte ein Telefonat, das Rohani mit US-Präsident Barack Obama führte - es war das erste direkte Gespräch von Staatschefs der beiden Länder seit 1979.

Die besten US-feindlichen Karikaturen sollen prämiert werden

Liberale Kräfte in Iran begrüßen den Kurs Rohanis, doch es gibt auch Gegner: Seit Wochen mobilisieren Hardliner immer entschiedener gegen den Versuch der Moderaten, am Jahrestag der Erstürmung der US-Botschaft auf die Rufe "Tod den USA!" zu verzichten. Rohani-Verbündete hatten die Rufe als nicht mehr zeitgemäß bezeichnet. Konservative haben sogar einen Wettbewerb ausgerufen, bei dem die besten US-feindlichen Karikaturen, Videos und andere kreative Einsendungen prämiert werden sollen. Dem Sieger wurden umgerechnet knapp 3000 Euro in Aussicht gestellt.

Am 4. November 1979 hatten Anhänger der Islamischen Revolution die US-Botschaft in Teheran gestürmt und 66 US-Bürger in ihre Gewalt gebracht, 14 von ihnen ließen die Geiselnehmer später frei. Irans Regime duldete die Geiselnahme. Der damalige iranische Staatssekretär Sadigh Tabatabai erklärte damals in der ARD, dass es sich bei der US-Botschaft um "ein Spionagezentrum" handle.

Am 24. April 1980 ordnete US-Präsident Jimmy Carter eine Befreiungsaktion an. Sie wurde zu einem Desaster: Zwei US-Hubschrauber stießen zusammen, als sie in der iranischen Wüste aufgetankt werden sollten, acht Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Die Geiseln mussten damals weiter auf ihre Freilassung warten: Am 20. Januar 1981 ließ Iran die US-Bürger frei - nach 444 Tagen Geiselhaft.

In Teheran wird die Erstürmung der Botschaft jedes Jahr gefeiert. Dabei werden stets US-Flaggen verbrannt und Washington lauthals der Niedergang gewünscht.

lgr

insgesamt 59 Beiträge
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Seite 1
matz-bam 27.10.2013
1. da
Zitat von sysopAFP"Nieder mit den USA": Parolen wie diese prangten noch vor wenigen Wochen auf Plakaten in Iran. Jetzt fordert die Regierung in Teheran laut "CNN", die anti-amerikanischen Aufrufe abzuhängen - ein ungewöhnlicher und im Land umstrittener Schritt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-beseitigt-anti-amerikanische-hassplakate-a-930229.html
jetzt so nach und nach rauskommt, wie die usa mit uns umgeht, können wir die plakate vielleicht haben?
frankmerkel 27.10.2013
2. das Abhängen
der Plakate ist eine Geste. Den Hass der Bevölkerung auf die US- Agressoren wird es nicht beendet.
SGE1899 27.10.2013
3. Schickt sie...
nach Deutschland, wir können sie jetzt gebrauchen. Aber Spaß beiseite, schön dass sich im Iran was tut.
john_oldman 27.10.2013
4. Amerika-Realismus
"Der damalige iranische Staatssekretär Sadigh Tabatabai erklärte damals in der ARD, dass es sich bei der US-Botschaft um "ein Spionagezentrum" handle." Eine Botschaft als Spionagezentrum verwendet? Aber sowas machen die USA doch nicht...
spon-facebook-10000283853 27.10.2013
5.
Zitat von sysopAFP"Nieder mit den USA": Parolen wie diese prangten noch vor wenigen Wochen auf Plakaten in Iran. Jetzt fordert die Regierung in Teheran laut "CNN", die anti-amerikanischen Aufrufe abzuhängen - ein ungewöhnlicher und im Land umstrittener Schritt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-beseitigt-anti-amerikanische-hassplakate-a-930229.html
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