Iran Chomeinis Enkel probt die Revolution

Hussein Chomeini, Enkel von Ajatollah Chomeini, hat den heutigen geistlichen Führern in Iran den Kampf angesagt. Wie 1979 sein Großvater, der Revolutionsführer, plant er derzeit von der irakischen Stadt Nadschaf aus den Umsturz.


Chomeini-Enkel Hussein
AP

Chomeini-Enkel Hussein

Kairo/London - Die in London erscheinende Zeitung "al-Sharq al-Awsat" zitierte den 46 Jahre alten Hussein Chomeini mit den Worten: "Iran braucht ein neues demokratisches Regime, das die Religion nicht benutzt, um die Menschen zu unterdrücken." Staat und Religion sollten in Iran voneinander getrennt werden. Alle Nachfolger seines Großvaters an der Spitze des iranischen Staates hätten seinen Namen zur Legitimierung ihrer ungerechten Herrschaft missbraucht. Er rechne bald mit einer neuen Revolution in Iran. "Freiheit ist wichtiger als Brot", sagte er laut "al-Sharq al-Awsat". Wenn die Amerikaner Iran die Freiheit bringen könnten, dann sei ihm auch das recht.

Hussein Chomeini, der mit den Reformern und der iranischen Studentenbewegung sympathisiere, habe in Nadschaf im schiitischen Südirak ein einst von seinem Großvater genutztes Haus bezogen, berichtete die Zeitung weiter. Nach Angaben der Zeitung sollen in der vergangenen Woche iranische Geheimdienstmitarbeiter in den Irak gereist sein, um den Enkel des in Iran bis heute verehrten Ajatollahs zu töten.

Das Chomeini-Büro in Teheran dementierte die Berichte über ein Exil des Enkels im Irak und erklärte, er sei von "al-Sharq al-Awsat" und einer niederländischen Zeitung falsch zitiert worden. Hussein Chomeini habe lediglich erklärt, dass die von seinem Großvater einst geforderte Gedankenfreiheit in Iran auch umgesetzt werden müsse. Hussein Chomeini befinde sich derzeit auf einer Pilgerreise im Irak. Nadschaf ist neben Kerbela nicht nur das wichtigste Ziel schiitischer Pilger im Irak, sondern auch Sitz der einflussreichen Religionsakademie "Hauza Ilmija".

Irans reformorientierter Präsident Mohammed Chatami warnte indes vor Faschismus im Land: Das Ziel der islamischen Revolution sei nicht die Errichtung eines Faschismus im Namen des Islam, sagte Chatami laut der iranischen Nachrichtenagentur IRNA auf einer gemeinsamen Sitzung von Kabinett und Parlament.

Man dürfe nicht jeden außerhalb der iranischen Revolution als anti-islamisch und konterrevolutionär brandmarken. Chatami richtete sich damit gegen seine konservativen Gegner unter der islamischen Geistlichkeit, die seinen Reformkurs mit Einschränkung der Presse und Festnahmen von Journalisten und Dissidenten blockieren. Dieser Kurs sei nicht nur eine Katastrophe. Er trage zur Frustration des Volkes bei und ermutige die Jugend, die Hoffnungen auf ausländische Mächte zu setzen, sagte der Präsident.



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