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05. Juli 2012, 09:15 Uhr

Rhetorik-Manöver

Iran überzieht USA und Israel mit Drohungen

Teheran fährt schwere Geschütze auf - rhetorisch und militärisch. Man könne "binnen Minuten" auf einen Angriff des Westens reagieren und die US-Flotte attackieren, behauptet das Regime. Gerade erst hatte Iran Raketen in der Wüste getestet.

Teheran - Im Streit um das iranische Atomprogramm hat Teheran den Ton gegenüber dem Westen noch einmal drastisch verschärft. Bei einem Angriff auf sein Territorium werde man rasch reagieren, hieß es aus der Heeresführung Irans - mit Vergeltungsschlägen gegen US-Militärstützpunkte in der Region und gegen Israel.

Alle Ziele seien in Reichweite der eigenen Raketen und könnten binnen Minuten beschossen werden, sagte General Amir Ali Hadschisade laut einem Bericht der halbamtlichen Nachrichtenagentur Fars. Weder aus Jerusalem noch aus Washington kamen bisher Reaktionen auf das verbale Säbelrasseln des Regimes von Machthaber Mahmud Ahmadinedschad.

Die iranischen Revolutionsgarden testeten zuletzt in einem dreitägigen Manöver verschiedene Raketentypen. Darunter befindet sich laut General Amir Ali Hadschisade auch ein Flugkörper, der geeignet wäre, die US-Kriegsschiffe im Persischen Golf zu treffen. Dieser habe eine Reichweite von rund 300 Kilometern. In Bahrain, rund 200 Kilometer von der iranischen Grenze entfernt, ist ein Teil der US-Flotte in der Region stationiert.

Die Drohung kommt wenige Tage nach dem Inkrafttreten eines Ölembargos der EU gegen Iran. Beobachter interpretieren auch die Raketentests als Antwort auf die neuen Sanktionen.

USA weiten Militärpräsenz in der Region aus

Die USA und ihre Verbündeten verdächtigen Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms an der Entwicklung von Kernwaffen zu arbeiten. Iran weist dies zurück. Weder die USA noch Israel haben in den vergangenen Monaten einen Militäreinsatz gegen Iran ausgeschlossen.

Zuletzt hat der Atomstreit durch die westlichen Sanktionen deutlich an Schärfe gewonnen. Ursprünglich hatte das Land damit gedroht, in Reaktion auf die Verschärfung der Handelsschranken die Straße von Hormus zu blockieren. Über die weltweit wichtigste Ölhandelsroute wird mehr als ein Drittel des weltweiten Seehandels abgewickelt.

Als Reaktion auf die Provokationen aus Teheran haben die USA ihre Militärpräsenz in der Region deutlich ausgeweitet. Inzwischen liegen laut "New York Times" acht Minenräumboote vor Ort. Laut dem Bericht verlegte Washington zudem Kampfflugzeuge vom Typ F-22 und F-15C in die Region, die Navy schickte ihr Schiff "Ponce".

jok/dpad/AFP/Reuters

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