Iran Empörung über Todesurteil gegen Mediziner

Ein renommierter Mediziner ist in Iran wegen "Verdorbenheit auf Erden" zum Tode verurteilt worden. Der Mann lebt eigentlich in Schweden, jetzt schaltet sich die EU ein.

Demonstranten vor der iranischen Botschaft in Brüssel (Archivbild)
imago/ ZUMA Press

Demonstranten vor der iranischen Botschaft in Brüssel (Archivbild)


Die Europäische Union hat sich einem Medienbericht zufolge in den Fall eines in Iran zum Tode verurteilten und international renommierten Mediziners eingeschaltet. Nach Informationen der "Heilbronner Stimme" wurde bereits Ende Oktober in Teheran eine gemeinsame Protestnote der EU-Mitgliedstaaten übergeben, die sich gegen die Verurteilung aussprachen.

Ahmadreza Dschalali, der eigentlich in Schweden lebt und in Italien und Belgien gearbeitet hat, war im April 2016 während eines Heimatbesuches verhaftet worden. Ihm wurde vorgeworfen, Informationen über das iranische Atomprogramm an Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad weitergegeben zu haben.

Im Gegenzug für die Auskunft sollte er eine Aufenthaltsgenehmigung in Schweden erhalten, begründete die Teheraner Generalstaatsanwaltschaft die Strafe. Die Informationen über Beteiligte und Standorte des Atomprogramms hätten 2010 zur Ermordung zweier iranischer Atomwissenschaftler durch einen Bombenanschlag geführt, so der Vorwurf.

Verurteilung wegen "Verdorbenheit auf Erden"

Ahmadreza Dschalali
imago/ Belga

Ahmadreza Dschalali

Amnesty International zufolge wurde der 46-Jährige in einem äußerst unfairen Gerichtsverfahren wegen "Verdorbenheit auf Erden" zum Tode verurteilt. Sein Schuldspruch habe auf Geständnissen basiert, die seinen Angaben zufolge durch Drohungen und Folter erzwungen worden seien.

Neben der EU haben sich auch 75 Nobelpreisträger, darunter die Schriftstellerinnen Herta Müller und Elfriede Jelinek sowie die Chemiker Gerhard Ertl und Joachim Frank, in einer gemeinsamen Erklärung an den Uno-Botschafter des Iran gewandt und ihn um eine Freilassung Dschalalis gebeten.

Ein weiterer Brief mit der Bitte um Unterstützung, verfasst vom Committee of Concerned Scientists, sei an Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere europäische Politiker gegangen, berichtet die "Heilbronner Stimme". Das Kanzleramt habe den Eingang des Schreibens bestätigt. Aus dem Auswärtigen Amt sei zu hören, es verfolge die Entwicklung des Falles "sehr aufmerksam und mit großer Sorge".

irb/AFP/dpa

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Seite 1
jula75 25.11.2017
1. Chiffre
"Aus dem Auswärtigen Amt sei zu hören, es verfolge die Entwicklung des Falles "sehr aufmerksam und mit großer Sorge". Das ist doch die übliche Chiffre für "Dagegen machen wir aus diplomatischen/wirtschaftlichen Gründen nichts."
ogg00 25.11.2017
2. naja... Hochverrat wird auch woanders hart bestraft
Man mag sich ja über die altertümliche Ausdrucksweise mokieren und natürlich sind Folter und Todesstrafe auch abzulehnen. Allerdings geht es ja anderen Spionen in anderen Ländern auch nicht viel besser. Der Artikel erweckt den falschen Eindruck, dass es um seine Tätigkeit als Mediziner ginge oder freie Meinungsäußerung, wo man zum Beispiel von der Türkei dann gerne mal verknackt und international gesucht wird, aber dieser Fall ist eher weniger ein Aufreger.
lesheinen 25.11.2017
3.
Jeder Staat kennt den Straftatbestand "Geheimnisverrat" mit unterschiedlichen Strafmaßen. Ob Ahmadreza Dschalalis diesen Straftatbestand erfüllt hat, kann ich zwar nicht beurteilen, ich hege aber meine Zweifel, denn die Verurteilung wegen des alles umfassenden Straftatbestandes "Verdorbenheit auf Erden" zeigt, dass die angebliche Tat auch nach iranischem Recht nicht unter "Geheimnisverrat" subsumiert werden kann. Und was geschieht? Protestnoten, wahrscheinlich abgewimmelt unter Hinweis auf die Unabhängigkeit der iranischen Justiz! Statt Papierkram auszutauschen, sollte man Tacheles reden, aber das schadet der Wirtschaft. Ich bin die Kriecherei in hintere Gefilde der Mullahs satt. Die EU ist eine Wirtschaftsgroßmacht und kann die Mullahs da treffen, wo es weh tut: am Geld. Haben die Amerikaner doch gezeigt. Statt dessen seit dem Atomkonsens Friede, Freude, Eierkuchen und der Rubel rollt.
PeaceNow 25.11.2017
4. Die übliche
bekannte und ausgelutschte anti Iran Propaganda. Wobei Iran hier beweist das sie ein funktionierendes Rechtssysthem haben, denn Volks- und Landesverrat sieht eben dort die Todesstrafe vor. Und da das Atomprogramm strategisch wichtig ist für das Land, Millionen krebskranke Iraner und Golfanreiner behandelt, sowie dessen Sabotage bereits Milliarden gekostet hat und dutzende Atomforscher durch Verrat und Spionage ermordet wurden, ist auch nachvollziehbar warum hier hart und konsequent gehandelt wird.
spontifex 25.11.2017
5. Ein Wächterrat
Das Auswärtige Amt verfolgt den Fall sehr aufmerksam und mit großer Sorge, und auch der Herr Bundespräsident findet, dass man den Iran 'nicht vor den Kopf stoßen' (https://www.youtube.com/watch?v=QlMsEmpdC0E#t=31m42s) sollte und dass der Einsatz für fremde Staatsbürger 'kein Selbstzweck' (https://www.youtube.com/watch?v=QlMsEmpdC0E#t=31m42s) ist. Der 'europäische Wächterrat' (https://www.youtube.com/watch?v=BtInXIHfxeM#t=29m8s) scheint übrigens auch darauf bedacht zu sein, effektiv zu arbeiten.
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