Mord an Ehefrau Ex-Bürgermeister von Teheran droht Hinrichtung

Er war Bürgermeister in Teheran und Berater des iranischen Präsidenten Rohani: Doch womöglich wird Mohammed Ali Nadschafi bald sterben. Nach dem Mord an seiner Frau kann er mit dem Tod bestraft werden.

Mohammed Ali Nadschafi sitzt im Gerichtssaal, umgeben von seinen Anwälten
AFP

Mohammed Ali Nadschafi sitzt im Gerichtssaal, umgeben von seinen Anwälten


In einem Interview hatte Mohammed Ali Nadschafi den Mord an seiner Ehefrau zugegeben. "Versehentlich" und "im Streit" habe er sie getötet, sagte der 67-Jährige Ende Mai im iranischen Staatsfernsehen. Jetzt droht ihm die Hinrichtung. Das gab Justizsprecher Gholam-Hussein Ismaeili laut der Nachrichtenagentur Isna bekannt.

Der Fall sorgte zuletzt für viel Wirbel im Land - schließlich ist Nadschafi Spitzenpolitiker. Er war in mehreren Regierungen als Wissenschafts- und Bildungsminister tätig und von August 2017 bis März 2018 auch Teherans Bürgermeister. Nadschafi galt obendrein als enger Vertrauter von Präsident Hassan Rohani, dessen wirtschaftlicher Berater er war.

Bestätigte Details zu dem Mord gibt es bislang noch nicht. Angeblich soll Nadschafis wesentlich jüngere Ehefrau Mitra den Mathematikprofessor mit einem jüngeren Mann betrogen haben. Am 28. Mai erschoss Nadschafi die Frau dann offenbar in ihrem Haus in Teheran. Iranischen Medienberichten zufolge wurde Mitra tot in der Badewanne gefunden, nachdem sich ihr Ehemann der Polizei gestellt hatte.

Opferfamilie hat Recht auf "Vergeltung"

Nachdem ihn ein Gericht wegen vorsätzlichen Mordes schuldig gesprochen hat, können nun offenbar die Angehörigen des Opfers entscheiden, ob Nadschafi sterben muss. Nach den islamischen Gesetzen hat die Familie das Recht zur "Vergeltung". Sie kann folglich vom Gericht die Todesstrafe für den Täter fordern, aber auch darauf verzichten. Nadschafis Anwalt will zunächst jedoch in Berufung gehen.

Der Reformpolitiker war in zweiter Ehe mit Mitra verheiratet. Das Paar erregte vor dem Vorfall mit romantischen Bildern in den sozialen Medien Aufsehen. Generell galt Nadschafi eigentlich lange als Sympathieträger in Iran. 2009 hatte er Berichten zufolge nach den Präsidentschaftswahlen Demonstranten unterstützt, die damals der Regierung Wahlbetrug vorwarfen.

kev/dpa



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