Atomabkommen vor dem Aus Iran erhöht Uranproduktion um das Vierfache

Iran ignoriert das internationale Atomabkommen und fährt die Uranproduktion wieder hoch. Auch eine festgelegte Obergrenze zur Anreicherung will das Land offenbar nicht mehr einhalten.

Irans Präsident Hassan Rohani (r.) beim "Nationalen Tag der Nukleartechnologie" Anfang April in Teheran
IRANIAN PRESIDENCY OFFICE/EPA-EFE/REX

Irans Präsident Hassan Rohani (r.) beim "Nationalen Tag der Nukleartechnologie" Anfang April in Teheran


Iran hat seine Uranproduktion in der Atomanlage Natans in Zentraliran um das Vierfache erhöht. Das gab der Sprecher der iranischen Atomorganisation, Behrus Kamalwandi, nach Angaben der halbstaatlichen Nachrichtenagentur Isna bekannt.

Nach dem Wiener Atomabkommen war Iran nur befugt, 300 Kilogramm bis auf 3,67 Prozent angereichertes Uran im Land zu behalten. Der Rest musste in ein Drittland verschifft oder verkauft werden. Nach dem Teilausstieg aus dem Atomabkommen will die iranische Regierung mit der Regelung nun offenbar brechen.

Der Deal war jahrelang verhandelt und 2015 zwischen Iran und sechs Staaten, darunter Deutschland und die USA, geschlossen worden. Vor Iran hatten die USA das Abkommen 2018 einseitig aufgekündigt und umgehend Wirtschaftssanktionen erlassen. Teheran hatte daraufhin den europäischen Staaten ein Ultimatum gestellt, was diese ablehnten.

Die bisher vereinbarte 300-Kilo-Grenze könne man "innerhalb von Wochen" erreichen, sagte Kamalwandi. Bei einem Scheitern des Deals wolle man auch die Grenze von 3,67 Prozent ignorieren und binnen vier Tagen die Urananreicherung bis auf 20 Prozent erhöhen. Für Kernwaffen wird eine Anreicherung von 90 Prozent benötigt.

US-Präsident Donald Trump hatte Iran zuletzt offen gedroht. "Wenn Iran kämpfen will, wird das das offizielle Ende Irans sein", schrieb Trump am Sonntag auf Twitter. "Droht nie wieder den Vereinigten Staaten!"

Zuvor hatte sich der Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden kämpferisch geäußert: Zwar wollten Iran und seine Revolutionsgarden keinen Krieg, sagte Hussein Salami nach Angaben von Isna. Sie fürchteten sich aber auch nicht davor. Die US-Truppen hätten, anders als die Revolutionsgarden, Angst vor dem Tod, und ein solcher Gegner sei "leicht zu besiegen".

fek/dpa/Reuters



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