Vor Gibraltar beschlagnahmt Iran fordert Großbritannien zur Freigabe von Öltanker auf

Der Streit um einen mutmaßlich iranischen Tanker verschärft sich. Das Schiff war wohl mit Öl für Syrien beladen und wurde in Gibraltar festgesetzt. Teheran ist erzürnt. Ein Vertreter der Revolutionsgarden droht London.

Jorge Guerrero/ AFP

Ein iranischer Öltanker, den britische Behörden vor Gibraltar festgesetzt haben, sorgt in Iran weiter für Aufregung.

Teheran hat London zur sofortigen Freigabe des Schiffes aufgefordert. Die Beschlagnahmung der "Grace 1" sei ein Akt der Piraterie und das britische Vorgehen inakzeptabel, hieß es in einer Mitteilung.

Zudem drohte Mohsen Rezaei, ein hochrangiger Vertreter der iranischen Revolutionsgarden, den Briten mit Konsequenzen: "Wenn Großbritannien den iranischen Öltanker nicht freigibt, ist es die Pflicht der Behörden, einen britischen Öltanker zu beschlagnahmen", schrieb er auf Twitter.

Am Donnerstag war ein Tanker vor der britischen Exklave Gibraltar an der Südspitze der Iberischen Halbinsel festgesetzt worden. Das Schiff soll gegen verschiedene internationale Sanktionen verstoßen haben.

Der Fall betrifft Sanktionen der EU und der USA

Auf der einen Seite gibt es Strafmaßnahmen der Europäischen Union, die sich seit Jahren gegen Personen und Unternehmen in Syrien richten. Auch die Banjas-Raffinerie in dem Bürgerkriegsland ist davon betroffen. Laut einer Videobotschaft von Gibraltars Regierungschef Fabian Picardo gebe es gute Gründe anzunehmen, dass der Tanker genau dorthin unterwegs war.

Zudem berichten die Nachrichtenagentur Reuters sowie "Lloyd's List", die weltweit führende Zeitung in der Marineindustrie, von Daten, die zeigen, dass das Öl auf dem Tanker aus der Islamischen Republik stammte. Die Papiere des Schiffes sagen wiederum, dass es im Irak beladen worden sei. Aber schon am Donnerstag nannte auch Iran das Schiff, das unter panamaischer Flagge fährt, einen "iranischen Öltanker".

"Grace 1"
Stringer/ REUTERS

"Grace 1"

Damit geht es auch um Maßnahmen der USA. Seit Mai will US-Präsident Donald Trump Ölexporte aus Iran praktisch komplett verhindern und droht möglichen Käufern mit Strafmaßnahmen. Die Beziehungen zwischen Washington und Teheran haben sich zuletzt wegen anhaltender Diskussionen um das iranische Atomprogramm erneut deutlich verschlechtert.

Iran spricht von "illegalem" Vorgehen

Als Reaktion auf das "illegale Abfangen" bestellte Iran den britischen Botschafter Rob Macaire ins Außenministerium ein. Das Schiff habe sich in internationalen Gewässern aufgehalten, daher habe Großbritannien "kein Recht, seine eigenen einseitigen Sanktionen oder diejenigen der Europäischen Union außerhalb des Territoriums gegen andere Länder zu verhängen".

Der iranischen Mitteilung zufolge wurden dem Botschafter Dokumente über das Schiff und dessen Fracht übergeben, die "zeigen, dass der Weg des Schiffes absolut legal war".

Nach Angaben des spanischen Außenministers Josep Borrell erfolgte die Beschlagnahmung des Tankers sogar auf ein entsprechendes Gesuch der USA an Großbritannien. Auch in der iranischen Mitteilung hieß es, Großbritannien habe im Auftrag der USA gehandelt.

Damit berührt der Vorfall auch noch einen dritten Konflikt: Spanien kündigte an, zu untersuchen, ob durch das Vorgehen der USA die Souveränität Spaniens beeinträchtigt worden sei. Denn das Land erkennt die Gewässer um Gibraltar nicht als britisch an.

aev/AFP/Reuters



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