Iran Geschasster Außenminister kritisiert Ahmadinedschad

Während einer Auslandsreise wurde ihm die Entlassung mitgeteilt, Gründe nannte der Präsident nicht: Irans Ex-Außenminister Mottaki hat die Art seiner Dienstenthebung heftig kritisiert. Der Amtsübergabe blieb er fern.

Teheran - Knapp eine Woche nach seiner Entlassung hat der frühere iranische Außenminister Manuschehr Mottaki Präsident Mahmud Ahmadinedschad scharf kritisiert. "Einen Minister zu entlassen, der gerade auf einer Auslandsreise ist, verstößt gegen die Regeln des Islam und der Diplomatie", sagte Mottaki der iranischen Nachrichtenagentur Mehr am Sonntag. Sein Nachfolger Ali Akbar Salehi wurde am Samstag offiziell ins Amt eingeführt.

Das Vorgehen Ahmadinedschads sei "verletzend" und widerspreche der "politischen Praxis", sagte Mottaki. Der Staatschef hatte ihn am vergangenen Montag überraschend und ohne Nennung von Gründen entlassen. Salehi absolvierte zu dem Zeitpunkt gerade einen Staatsbesuch im Senegal. Erst 24 Stunden nach seinem Abflug sei ihm seine Entlassung mitgeteilt worden, kritisierte Mottaki. Laut Mehr war er am Abend vor seiner Reise sogar noch mit Ahmadinedschad zusammengetroffen.

Mottaki bemängelte zudem, dass die Regierung ihn nicht über den Termin der Amtsübergabe an den Chef des iranischen Atomprogramms, Salehi, informiert habe. Solch ein Verhalten sei "lächerlich", sagte der frühere Außenminister. Bei der feierlichen Zeremonie, mit der Salehi am Samstag in sein Amt eingeführt wurde, fehlte Mottaki. Eigentlich ist die Amtsübergabe auch immer eine Abschiedsveranstaltung für den scheidenden Minister.

Vom offiziellen Standpunkt abgewichen

Das Parlament in Teheran muss der Ernennung Salehis zum neuen Außenminister noch zustimmen, so lange soll der 61-Jährige übergangsweise als Chefdiplomat agieren. Salehi bleibt Leiter der iranische Atomenergiebehörde. Der Atomphysiker ist auch Vizepräsident des Landes.

Mottaki galt eigentlich als loyaler Verbündeter von Ahmadinedschad, soll aber jüngst im Atomstreit mit dem Westen vom offiziellen Standpunkt abgewichen sein. Iranische Medien vermuten, dass Ahmadinedschad mit der Neubesetzung des Postens seinen Einfluss auf die gerade im Atomkonflikt mit dem Westen wichtige Außenpolitik des Landes stärken wollte.

Der Westen verdächtigt den Iran, unter dem Vorwand der zivilen Nutzung der Kernenergie Atomwaffen zu bauen. Teheran weist das zurück, der Uno-Sicherheitsrat verhängte aber mehrfach Sanktionen gegen Iran. Anfang Dezember nahm der Iran nach mehr als einem Jahr die Gespräche mit den fünf Uno-Vetomächten und Deutschland über sein umstrittenes Atomprogramm wieder auf.

sto/AFP