Iran Hardliner siegt bei Präsidentschaftswahl

Bei der Präsidentschaftswahl in Iran hat der als Hardliner geltende Kandidat Mahmud Ahmadinedschad nach offiziellen Angaben überraschend gewonnen. Nach Auszählung fast aller Stimmen lag er uneinholbar in Führung. Das Ergebnis gilt als Sensation - Favorit der Wahl war Ahmadinedschads Konkurrent Rafsandschani.


Wird zum Wahlsieger erklärt: Ahmadinedschad
DPA

Wird zum Wahlsieger erklärt: Ahmadinedschad

Teheran - Das Innenministerium in Teheran bestätigte vor Abschluss der Stimmenauszählung am Samstagmorgen, Ahmadinedschad erscheine bereits als der sichere Wahlsieger. Er habe mehr als 60 Prozent der Stimmen erhalten. Insgesamt gaben den Angaben zufolge rund 22 Millionen der 47 Millionen Wahlberechtigten bei der Stichwahl um das Präsidentenamt ihr Votum ab. Das entspricht einer Beteiligung von etwa 47 Prozent.

Das Ergebnis kommt unerwartet, denn Ahmadinedschads Gegenkandidat Akbar Haschemi Rafsandschani, der bereits von 1989 bis 1997 Staatsoberhaupt war, galt auch in der zweiten Runde als Favorit für die Nachfolge von Mohammed Chatami. Der bisherige, als Reformer geltende Präsident Mohammed Chatami durfte nach zwei aufeinander folgenden Amtszeiten nicht mehr kandidieren.

Im ersten Wahlgang hatte der 70-jährige Rafsandschani 21,2 Prozent der Stimmen erhalten. Dem 49-jährigen Ahmadinedschad, der in der ersten Runde überraschend auf 19,1 Prozent der Stimmen kam, wird vorgeworfen, in Iran eine Art Taliban-Herrschaft einführen zu wollen.

Die Stichwahl war nötig, weil in der ersten Runde keiner der Bewerber die absolute Mehrheit errungen hatte. Bei der Stichwahl genügt eine einfache Mehrheit.

Rafsandschani steht für gemäßigte Politik

der Wahlverlierer: Rafsandschani
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der Wahlverlierer: Rafsandschani

Rafsandschani ist in Iran einer der bekanntesten Politiker. Der Multimillionär gilt als moderater Kleriker. Mit einem Handelsimperium und guten Kontakten im In- und Ausland ist er zu unüberschaubaren Reichtum gekommen. Mit seinen 70 Jahren wirkt er jedoch nicht gerade als einer, der für einen neuen Iran steht.

Trotz seinen Bekenntnissen zu Veränderungen und einer Annäherung an den Westen gilt Rafsandschani noch immer als Mann Irans nach der Revolution - nicht zuletzt wegen seiner engen Kontakte zur Clique von Ajatollah Chomeini und seiner langen Zeit als Präsident. Sein Programm: Entbürokratisierung der verstaatlichten Industrie und vorsichtige Annäherung an die USA - ohne freilich das umstrittene Atomprogramm aufzugeben.

Ahmadinedschad hat Ruf eines islamischen Robin Hood

Mahmud Ahmadinedschad hat sich dagegen mit seinem Plan einer Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums zu Gunsten der Armen auch den Ruf eines islamischen Robin Hoods erworben. Der 48-jährige fand vor allem bei der verarmten und tief gläubigen Bevölkerung des Landes Zustimmung. Er hatte den Aktienmarkt mit einem Glücksspiel verglichen und will westliche Einflüsse noch stärker unterbinden.

Das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, hat den Anhängern beider Kandidaten in der Stichwahl um die Präsidentschaft jegliche Siegesfeiern verboten. Die Hauptquartiere des religiös-konservativen Ahmadinedschad und des gemäßigten Rafsandschani hätten bereits Feiern vorbereitet, erklärte Chamenei laut Nachrichtenagentur Irna. Dies sei aber nicht im Interesse des Landes, betonte er.



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