Hassan Rohani Irans Präsident gratuliert Juden zum Neujahrsfest

Die Charmeoffensive des neuen iranischen Präsidenten geht weiter: Via Twitter gratulierte Hassan Rohani den Juden zu ihrem Neujahrsfest. Sein Vorgänger Ahmadinedschad hatte bei diesen Gelegenheiten noch gegen Israel gehetzt.
Tweet von Rohani: "Ein gesegnetes Rosch Haschana"

Tweet von Rohani: "Ein gesegnetes Rosch Haschana"

Teheran - An diesem Donnerstag beginnt nach dem jüdischen Kalender das Jahr 5774. Die Juden feiern das neue Jahr mit den zweitägigen Fest Rosch Haschana.

Diesmal erhielten sie Glückwünsche von einer ungewohnten Adresse: Irans Präsident Hassan Rohani wünschte via Twitter  "allen Juden, besonders den iranischen Juden, ein gesegnetes Rosch Haschana". Seinem Tweet fügte er ein Bild aus dem Jahr 2011 bei, dass einen Betenden in einer Teheraner Synagoge zeigt. Auch sein frisch gekürter Außenminister Dschawad Sarif wollte dem Präsidenten nicht nachstehen und wünschte ebenfalls "Happy Rosch Haschana" .

Dass Rohani ausdrücklich "alle Juden" erwähnte, stellt einen deutlichen Wandel im Vergleich zu seinem Vorgänger Mahmud Ahmadinedschad dar. Der hatte Israel als "Krebsgeschwür" bezeichnet und gefordert, der jüdische Staat müsse von der Landkarte "ausradiert" werden. Neujahrswünsche an die jüdische Gemeinschaft kamen Ahmadinedschad nie über die Lippen.

Im Gegenteil: Im Jahr 2009 hetzte der damalige Präsident ausgerechnet am Vorabend von Rosch Haschana gegen Israel. "Es ist eine nationale und religiöse Pflicht, sich dem zionistischen Regime entgegenzustellen", sagte er damals vor Anhängern in Teheran. Den Holocaust nannte er damals "ein Märchen, das als Vorwand für Verbrechen gegen die Menschheit" missbraucht werde.

Zehntausende Juden haben Iran verlassen

Laut dem jüngsten Zensus aus dem Jahr 2012 leben inzwischen weniger als 9000 Juden in Iran. Vor der islamischen Revolution 1979 waren es noch mehr als 100.000. Nach der Machtübernahme durch Ajatollah Chomeini wanderten zehntausende persische Juden nach Israel oder in die Vereinigten Staaten aus. Zahlreiche Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft wurden damals vom Regime als israelische Spione beschuldigt, verurteilt und hingerichtet.

Derzeit gibt es allein in Teheran noch immer ein knappes Dutzend Synagogen sowie ein jüdisches Krankenhaus. Außerdem ist in der Verfassung ein Parlamentssitz für einen jüdischen Abgeordneten garantiert.

Rohanis Glückwunschtweet war aber offenbar weniger ein Signal an die jüdische Gemeinschaft im eigenen Land, sondern eine Geste ans Ausland. Iranische Medien berichteten zwar in knappen Sätzen über die Neujahrswünsche, auf seinem persischsprachigen Twitter-Account vermied der Präsident jedoch einen Gruß an die Juden.

syd/dpa
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