Konflikt zwischen Iran und USA Rohani sieht Sanktionen als "Zeichen geistiger Behinderung"

Die Pöbeleien zwischen den beiden Staatspräsidenten nehmen zu: Hassan Rohani nennt die neuen Sanktionen gegen sein Land idiotisch und bezichtigt die USA der Lüge: Sie wollten keinen Dialog mit Iran.

Hassan Rohani
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In der Vergangenheit hatte sich Irans Präsident Hassan Rohani selbst mit Beleidigungen eher zurückgehalten. Wenn US-Präsident Donald Trump gegen Iran wetterte, dann reagierten darauf meist Mitglieder seiner Regierung mit Drohungen. Nun hat sich auch der Ton Rohanis verschärft: "Sanktionen gegen den obersten Führer des Landes sind unverschämt und ein Zeichen geistiger Behinderung", sagte Rohani über die neuen Sanktionen, die Trump gestern gegen Iran verhängt hat.

Die Maßnahmen zeigten nur die Verzweiflung der US-Regierung und würden ihre Wirkung verfehlen, sagte Rohani in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache. Die Strafmaßnahmen gegen das geistliche und staatliche Oberhaupt Ajatollah Ali Khamenei liefen ins Leere, da dieser keine Auslandskonten besitze.

Rohani: Die US-Regierung will keinen Dialog

Rohani bezichtigte die US-Regierung der Lüge: Sie wolle keinen Dialog, und die neuen Sanktionen gegen Khamenei bewiesen das. Iran praktiziere als Antwort eine "strategische Geduld". Das bedeute aber nicht, dass sein Land Furcht habe. "Ihr (USA) habt Iran Hunderte Male sanktioniert, versucht doch nur ein einziges Mal, den richtigen Weg einzuschlagen", sagte der Präsident nach Angaben seines Webportals.

Zuvor hatte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Abbas Mussawi, erklärt, die Sanktionen gegen Khamenei und andere führende Persönlichkeiten bedeuteten das Ende der Diplomatie. "Trumps verzweifelte Regierung zerstört den etablierten internationalen Mechanismus, durch den Frieden und Sicherheit erhalten werden sollen", schrieb Mussawi auf Twitter.

Die USA hatten Khamenei am Montag mit neuen Sanktionen belegt und damit auf den Abschuss einer US-Aufklärungsdrohne durch Iran über dem Persischen Golf reagiert. Während die USA erklärten, die Drohne habe sich im internationalen Luftraum befunden, begründet Iran den Abschuss damit, dass das unbemannte Flugobjekt in seinen Luftraum eingedrungen sei. Außerdem will Trump Iran zu einem neuen Atomwaffen- und Raketenabkommen zwingen, das über das 2015 geschlossene und von den USA einseitig aufgekündigte bisherige Atomabkommen weit hinausgeht.

Washington kündigte zudem an, eine weltweite Koalition gegen Iran aufzubauen. Diese solle bereit sein, den "größten Sponsor des Terrors auf der Welt" zurückzudrängen, sagte US-Außenminister Mike Pompeo vor einer Reise nach Saudi-Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate.

Bolton: "Alles, was Iran tun muss, ist, durch diese Tür zu gehen."

Trumps Nationaler Sicherheitsberater John Bolton rief Iran indes aus Jerusalem zu Gesprächen über ein neues Abkommen auf. Trump habe dafür die Tür offen gehalten, sagte Bolton. "Alles, was Iran tun muss, ist, durch diese Tür zu gehen."

Er warf Iran "ohrenbetäubendes Schweigen" zum Gesprächsangebot aus Washington vor. Wirkliche Verhandlungen müssten aber dazu führen, dass das iranische Atomwaffenprogramm und sein Programm für ballistische Raketen nachweisbar abgeschafft würden. Außerdem dürfe Iran nicht mehr den internationalen Terrorismus unterstützen.

mfh/AP/dpa/Reuters



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