Iran Rohani gewinnt Präsidentschaftswahl

Der Amtsinhaber hat sich gegen seinen erzkonservativen Herausforderer durchgesetzt: Hassan Rohani bleibt Staatspräsident in Iran, Gegenkandidat Ebrahim Raisi erhielt lediglich 38 Prozent der Stimmen.

Hassan Rohani
DPA

Hassan Rohani


Hassan Rohani hat die Präsidentenwahl in Iran gewonnen. Der 68-Jährige setzte sich laut amtlichem Endergebnis mit 57 Prozent der Stimmen gegen den erzkonservativen Gegenkandidaten Ebrahim Raisi durch, der lediglich 38 Prozent der Stimmen erhielt. Das gab Innenminister Abdolresa Rahmani Fasli bekannt. Die restlichen fünf Prozent gingen demnach an die beiden anderen Kandidaten.

Das Staatsfernsehen gratulierte Rohani zum Sieg. Demnach entfielen auf den moderaten Amtsinhaber 22,8 Millionen Stimmen, während für Raisi 15,5 Millionen Wahlberechtigte stimmten.

Laut Innenministerium stimmten insgesamt knapp 40 der 56,4 Millionen Wahlberechtigten ab - das entspricht einer Wahlbeteiligung von ungefähr 70 Prozent. Die Behörde hatte die Abstimmung wegen des großen Andrangs in der Nacht verlängert. Bei der Wahl ging es um die Fortsetzung der von Rohani verfolgten Reformpolitik, die den Iranern mehr Freiheit und eine Erholung der Wirtschaft bringen soll.

Gegenkandidat Raisi ist dagegen ein enger Vertrauter des geistlichen und politischen Führers Ajatollah Ali Khamenei. Der Richter kritisierte Rohanis Politik der vergangenen Jahre scharf, unter anderem hatte das Land unter der Präsidentschaft des 68-Jährigen das internationale Atomabkommen ausgehandelt (mehr über die Hintergründe und die Bedeutung der Wahl erfahren Sie hier).

Rohanis Amtszeit läuft nun bis 2021. Es ist die zwölfte Präsidentenwahl seit der sogenannten Islamischen Revolution im Jahr 1979. Damals wurde der prowestliche, aber autokratisch herrschende Schah gestürzt, Ajatollah Ruhollah Khomeini machte aus Iran eine schiitisch geprägte Islamische Republik.

mxw/Reuters/AFP



insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
zwetschgenknoedel 20.05.2017
1.
Der "pro-westliche, aber autokratisch Herrschende Schah..." und wer hat es 1953 verbrochen und damit die Saat des islamischen Terrorismus zumindest stark gewässert? Genau GB, weil sie keine Öl-Einnahmen verlieren wollten und solange in die US Regierung reingemacht haben, bis ein repuplikanischer POTUS zur Stelle war, der den ersten demokratisch gewählten Premierminister Mossadegh weggeputscht hat. Es freut mich zu sehen, dass offenbar bei einem Großteil des iranischen Volkes, der Wunsch nach Freiheit und Demokratie siegt! Bitte nicht mit pro-westlichen Werten anfangen, da vergeht einem fast die Lust aufs Frühstück...
klaus.karl 20.05.2017
2. Hoffentlich
bleibt es so und Rohani gewinnt, vielleicht erhalten die überwiegend jungen von Klerikern, Sittenwächtern und Revolutionärer Garde drangsalierten Menschen mehr Freiraum und persönliche Entfaltungsmöglichkeiten. Wenn man sieht, welche Ansprüche wir hier stellen und welche Privilegien wir hier haben, kann man nur Bewunderung für die gebeutelten iranischen Menschen haben, die mit so kleinen Verbesserungen des täglichen Lebens zufrieden sein müssen.
the_tetrarch 20.05.2017
3. Hoffnung
Der Iran und seine Bevölkerung haben es verdient, den Weg zu normalen internationalen Beziehungen weiterzugehen. Die Wiederwahl Rohanis wäre ein gutes Zeichen. Ich sehe auch positiv zu wertende Signale aus dem "Wächterrat". Der wiederholte und nachdrückliche Widerstand, auf den der irre Ahmadinedschad dort stieß, gibt Anlass zu einer gewissen Hoffnung. Jetzt möge bitte endlich der "Westen" über seinen Schatten springen und eine Plattform für Gespräche und Konsultationen aufbauen.
noch_ein_forenposter 20.05.2017
4. Das ist der Punkt
Zitat von zwetschgenknoedelDer "pro-westliche, aber autokratisch Herrschende Schah..." und wer hat es 1953 verbrochen und damit die Saat des islamischen Terrorismus zumindest stark gewässert? Genau GB, weil sie keine Öl-Einnahmen verlieren wollten und solange in die US Regierung reingemacht haben, bis ein repuplikanischer POTUS zur Stelle war, der den ersten demokratisch gewählten Premierminister Mossadegh weggeputscht hat. Es freut mich zu sehen, dass offenbar bei einem Großteil des iranischen Volkes, der Wunsch nach Freiheit und Demokratie siegt! Bitte nicht mit pro-westlichen Werten anfangen, da vergeht einem fast die Lust aufs Frühstück...
Ohne den von GB und USA organisierten Putsch hätte es wahrscheinlich nie eine "islamische Revolution" gegeben. Diese Länder haben die Hauptschuld an der heutigen Lage im Iran. Hoffentlich setzt sich die Öffnung fort. Der Iran ist schon seit vielen Jahren deutlich offener als z.B. die Golfstaaten. Das ist unbedingt zu unterstützen, vor allem auch wirtschaftlich.
dukeofwellington 20.05.2017
5. Nicht demokratisch
Nicht vergessen : die wirkliche Macht im Iran hat der religiöse Führer, und das ist nach wie vor ein Hardliner. Und : die Wahl war nicht demokratisch, vorher werden ja die Kandidaten vom religiösen Führer selektiert. So wie wenn wir hier nur AFD oder NPD wählen können. Rohani ist nach wie vor ein Vertreter des Establishments in Iran, der am wenigsten schlimme von all den Gangstern die zur Wahl standen
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.