Streit über Nuklearprogramm Iran gibt Lügen zu

"Manchmal haben wir falsche Informationen weitergegeben": Der iranische Atomchef Feridun Abbasi Dawani hat zugegeben, die Internationale Atomenergiebehörde belogen zu haben - angeblich zum Schutz vor westlichen Geheimdiensten.
Atomchef Abbasi Dawani: "Wir hatten keine andere Wahl"

Atomchef Abbasi Dawani: "Wir hatten keine andere Wahl"

Foto: HERWIG PRAMMER/ REUTERS

Wien/Teheran - Dieses Geständnis dürfte den Atomkonflikt zwischen Iran und dem Westen weiter anheizen. Der Chef der iranischen Atomenergieorganisation, Feridun Abbasi Dawani, hat eingeräumt, dass sein Land gegenüber der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) falsche Angaben gemacht habe. Grund sei, dass die IAEA von westlichen Geheimdiensten unterwandert sei.

"Manchmal haben wir falsche Informationen weitergegeben, weil wir keine andere Wahl hatten, um ausländische Geheimdienste in die Irre zu führen. Manchmal stellten wir uns selbst als schwach dar, manchmal präsentierten wir uns stärker, als wir eigentlich waren", sagte der Iraner der arabischen Tageszeitung "al-Hajat" am Rande der IAEA-Jahrestagung in Wien. Die Falschinformationen seien später jedoch von den IAEA-Inspektoren aufgedeckt worden.

Bereits vor sieben Jahren hätte Teheran bemerkt, dass der britische Geheimdienst MI6 Informationen über Iraner gesammelt hätten, die mit der IAEA in Sachen Atomprogramm zusammenarbeiteten. Darunter seien auch iranische Wissenschaftler gewesen, die später "von zionistischen Agenten getötet wurden", sagte Abbasi Dawani.

Die IAEA sei Iran gegenüber "feindlich" eingestellt, kritisierte der iranische Atomchef, und zwinge Teheran dazu, seine Unschuld zu beweisen. "Das ist die gleiche Taktik, die gegen Saddam Husseins Regime im Irak eingesetzt wurde. Sie suchen nach einem rechtlichen Rahmen, um Iran zu isolieren und die Sanktionen zu verschärfen." Bereits Anfang der Woche hatte Abbasi Dawani der IAEA vorgeworfen, sie sabotiere das iranische Nuklearprogramm.

Er wies zugleich Anschuldigungen zurück, laut denen Teheran nicht voll umfänglich mit den Kontrolleuren kooperiere. "Jedes Mal, wenn sie den Zugang zu einer Anlage beantragten, haben wir ihnen innerhalb von zwei Stunden die Erlaubnis erteilt", sagte Abbasi Davani. Die umstrittene Anlage Parchin, zu der Iran den Inspektoren den Zutritt verweigert, diene ausschließlich militärischen Zwecken.

syd
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