Scharfe Töne im Irankonflikt Ajatollah droht mit "Meer aus Blut"

Nach der Beschlagnahmung eines Öltankers vor Gibraltar kündigt Iran Vergeltung an, der Ton im Streit über das Atomabkommen wird schriller. Ein prominenter Ajatollah prahlt damit, wie Teheran auf einen Angriff reagieren würde.

Jorge Guerrero/ AFP

Die Tonlage zwischen Teheran und Washington wird schärfer: Ein einflussreicher iranischer Ajatollah hat den USA gedroht, der Iran werde den Persischen Golf bei einem militärischen Angriff in ein "rotes Meer" verwandeln.

Ajatollah Ali Mowahdei Kermani sagte beim Freitagsgebet in der Hauptstadt Teheran in Richtung USA: "Wenn ihr uns angreifen wollt, bitte, dann werden wir die Farbe des Persischen Golfs von Blau in Rot umwandeln." Er reagierte damit auf ein Statement von US-Präsident Donald Trump vor Journalisten in Washington: "Wir werden sehen, was mit dem Iran passiert. Der Iran muss sehr, sehr vorsichtig sein."

Kermani sagte, Drohungen der USA würden den Iran nicht daran hindern, an diesem Sonntag sein Uran weiter anzureichern. "Das bedeutet jedoch nicht, dass wir eine Atombombe wollen, denn die brauchen wir nicht, und außerdem sind die gegen islamische Vorschriften", sagte der Ajatollah nach Angaben der Nachrichtenagentur Isna.

Stimmungsmacher bei Hardlinern

Teheran plant, von Sonntag an die Urananreicherung über das erlaubte Limit von 3,67 Prozent hochzufahren. Dies wäre ein Verstoß gegen eine zentrale Auflage des Wiener Atomabkommens. Die iranische Entscheidung, am Sonntag die zweite Phase des Teilausstiegs aus der Vereinbarung zu beginnen, war Hauptthema der Freitagsgebete im Iran. Kermani und andere Prediger bei den Gebeten haben zwar keine politischen Funktionen, gelten aber als Stimmungsmacher insbesondere bei Hardlinern.

Die USA hatten die Führung in Teheran eindringlich vor der angedrohten Urananreicherung gewarnt. "Sie wissen, womit sie spielen, und ich denke, sie spielen mit Feuer", hatte Trump am Montag im Weißen Haus gesagt.

Kommenden Mittwoch soll auf Antrag der USA der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Trumps Nationaler Sicherheitsberater John Bolton teilte am Freitag auf Twitter mit, dabei solle es um die "unerlaubten Nuklearaktivitäten des Irans" gehen. "Der Iran muss unter Druck gesetzt werden, seine nuklearen Ambitionen aufzugeben."

Am Donnerstag war der Konflikt bereits weiter angeheizt worden, als Großbritannien vor Gibraltar den iranischen Öltanker "Grace 1" beschlagnahmt hatte. Das Schiff soll gegen verschiedene internationale Sanktionen verstoßen haben. Iran bezeichnete die Festsetzung als Akt der Piraterie. Ein Vertreter der Revolutionsgarden hatte gedroht: "Wenn Großbritannien den iranischen Öltanker nicht freigibt, ist es die Pflicht der Behörden, einen britischen Öltanker zu beschlagnahmen."

Warnung von Luxemburgs Außenminister

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn warnt unterdessen eindringlich vor einer neuen Flüchtlingskrise. Wenn sich der Konflikt weiter verschärfe, könne das dramatische Folgen für Europa haben: "Sollte die Situation zwischen Washington und Teheran weiter eskalieren, so besteht die Gefahr, dass drei Millionen Afghanen, die in dem Land leben, den Iran verlassen", sagte Asselborn der "Welt am Sonntag".

Die meisten von ihnen würden dann voraussichtlich wegen der Sicherheitslage nicht nach Afghanistan zurückkehren, sondern in die Türkei und dann nach Europa fliehen, fügte Asselborn hinzu. "Es besteht das Risiko einer riesigen Flüchtlingswelle, die Europa vor große Herausforderungen stellt."

Der luxemburgische Außenminister kritisierte den US-Präsidenten scharf. Trump habe sich einen "totalen Fehltritt" geleistet, als er im vergangenen Jahr aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen sei. Faktisch hätten die USA den Vertrag gebrochen. Das Abkommen von 2015 habe mehr Sicherheit für Europa und für die Welt gebracht, sagte Asselborn.

Zugleich forderte er den Iran auf, das Abkommen auf keinen Fall zu brechen. "Bisher hat der Iran sich laut internationaler Atomaufsichtsbehörde in Wien immer an das Abkommen gehalten. Auf der anderen Seite kann ich die Iraner nur davor warnen, ab diesem Sonntag wieder damit zu beginnen, Uran über das erlaubte Maß hinaus anzureichern", sagte Asselborn der Zeitung. Hochangereichertes Uran kann als Material für eine Nuklearwaffe dienen.

him/dpa

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espressotime 06.07.2019
1.
Herr Asselborn ist durch und durch ein Diplomat. Seine Töne Richtung USA und Trump sind richtig gewählt. Die USA hat die Ambitionen Europa zu schwächen, indem sie die Route der Flüchtlinge bestimmen möchte. Gadaffi, Mubarak und Saddam Hussein sind abgeschafft worden und nun der Iran. Gadaffi wurde immer dafür von der Eu bezahlt Flüchtlinge aufzuhalten. USA sieht in jeder Hinsicht die EU und Europa als größten Feind.
Partyzant 06.07.2019
2. USA spielen mit dem Feuer
Die EU und andere Länder müssen es ausbaden...wie immer. Europa muss aufstehen und USA für den Bruch des Abkommens isolieren und mit Sanktionen belegen
Stoapfaelzer 06.07.2019
3. Paradox
Sorry, aber für mich nicht verständlich wie die USA die Einhaltung einer Obergrenze aus einen Abkommen, aus welchen man ausgetreten ist, einfordern will. Da hätten sie schon drin bleiben müssen um jetzt den Finger zu heben. Und der Iran hat von Nordkorea gelernt, erst eine nukleare Bewaffnung führt zu Verhandlungen auf Augenhöhe, siehe wie Donald T den dortigen Diktator jetzt hofiert.... Und, es reicht auch eine schmutzige Bombe um den ölfluss zum Erliegen zu bringen.....
taglöhner 06.07.2019
4.
Dieser Uran-Bohei der Mullahs macht nur Sinn, wenn sie die Bombe wollen. Energie haben die mehr als genug unter der Erde. Die blumige Sprache lässt darüber hinaus erkennen, in welcher Art von Realität sie leben. Solche Leute müssen um jeden Preis von Kernwaffen ferngehalten werden.
JDR 06.07.2019
5.
Nicht jede Gewaltphantasie eines wildgewordenen Ayatollahs ist automatisch auch die Position des Regimes. Die Rede scheint eher nach innen gerichtet und dazu gedacht, eine solche Aktion der Revolutionsgarden herbeizureden, als basierend auf der Kenntnis von tatsächlichen Plänen. Aber ja, die Garden könnten derartige Operationen durchführen. Es wäre dumm, aber möglich und aktuell ist die federführende Stimmung im Regime eine auf Konfrontation ausgelegte. Aus amerikanischer Sicht ist die Festsetzung des Tankers vermutlich eine sehr gelungene und fein auf die Denkweise des Regimes abgestimmte Antwort auf den Abschuss einer teuren Drohne der Streitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika. Diplomatisch zeigt sich hier eine erhebliche Finesse, welche plumpe Antiamerikaner der Weltmacht gar nicht zutrauen. Zugleich ist es ein Schlag gegen die wirtschaftliche Basis des Regimes. Die wahrscheinlichste Antwort wird jedoch nicht sein, dass die Revolutionsgarden Tanker kapern. Wesentlich naheliegender ist, dass das Regime die Strategie der Geiselnahme westlicher Bürger wieder aufnimmt, um Zugeständnisse zu erzwingen. Dennoch. Jeder Schritt, den Teheran macht wird sehr genau beobachtet. Und auch, wenn Präsident Trump keinen Krieg provozieren will: Er lässt sich ungerne demütigen und "man" sollte ihm keine Gelegenheit geben, die Überlegenheit der Streitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika unter Beweis zu stellen. Und ein Krieg ist nur noch einen Fehler entfernt.
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