Arabische Halbinsel Der Irankonflikt eskaliert - und der Jemenkrieg gleich mit

Der Irankonflikt hat auch Auswirkungen auf den Krieg im Jemen. Die mit Teheran verbündeten Huthi-Rebellen verstärken ihre Angriffe auf Saudi-Arabien. Frieden liegt in weiter Ferne.

Eissa Alragehi/ REUTERS

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Die Hoffnungen waren groß vor einem halben Jahr: Im Dezember 2018 einigten sich die Regierung des Jemen und die Huthi-Rebellen auf ein Abkommen. Unter Vermittlung des Königreichs Schweden verständigten sich die Konfliktparteien auf eine Waffenruhe in der Hafenstadt Hudaida und auf einen Gefangenenaustausch. Die Vereinbarung sollte den Grundstein legen für einen Friedensprozess, der den seit 2015 wütenden Bürgerkrieg beenden würde.

Sechs Monate später zeigt sich: Die Hoffnungen haben sich nicht erfüllt.

Seit der Unterzeichnung des Stockholmer Abkommens am 13. Dezember wurden nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) landesweit mindestens 255.000 Jemeniten vertrieben.

Mehr als tausend tote Zivilisten seit Jahresbeginn

Allein aus Hudaida mussten in dieser Zeit mehr als 26.000 Menschen flüchten - dabei sollten in der Hafenstadt am Roten Meer eigentlich die Waffen schweigen. Mehr als tausend Zivilisten sind seit Jahresbeginn landesweit bei den Kämpfen gestorben.

Hinzu kommt eine große Dunkelziffer: Menschen, die wegen des Krieges unterversorgt sind, und an Krankheiten sterben, die eigentlich gut behandelbar wären. Säuglinge, die die ersten Monate nicht überleben, weil sie selbst oder ihre Mütter mangelernährt sind.

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Jemenkrieg: Ausweitung der Kampfzone

Die Vereinten Nationen bezeichnen die Lage im Jemen als die größte humanitäre Katastrophe dieser Zeit. Eine Katastrophe, die von Menschenhand ausgelöst wurde und fortlaufend weiter angeheizt wird. An mehr als 30 Frontlinien werde derzeit im Jemen gekämpft, sagt Uno-Nothilfekoordinator Mark Lowcock.

Huthi-Rebellen verschärfen Angriffe auf Saudi-Arabien

Ein Ende ist weiterhin nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Verschärfung des Irankonflikts hat auch Folgen für den Jemenkrieg. Denn der Konflikt im Südwesten der arabischen Halbinsel ist längst kein Bürgerkrieg mehr, sondern hat sich zu einem Stellvertreterkrieg zwischen Iran und Saudi-Arabien entwickelt. Und so lange sich dieser Konflikt zwischen Teheran und Riad nicht zumindest beruhigt, liegt Frieden im Jemen in weiter Ferne.

Die Huthi-Rebellen bemühen sich mehr und mehr, den Krieg nach Saudi-Arabien zu tragen.

  • In den vergangenen Wochen hat die Miliz ihre Angriffe auf Ziele im Königreich verschärft - just nachdem Irans Präsident Hassan Rohani erklärt hatte, zwei Bestimmungen aus dem Atomabkommen vorläufig nicht länger umzusetzen.
  • Unter anderem flogen die Huthi-Rebellen am 14. Mai Drohnenangriffe auf mehrere Ölanlagen in Saudi-Arabien.
  • Am 12. Juni traf eine Rakete der Huthis den Flughafen der saudi-arabischen Stadt Abha. Mindestens 26 Personen wurden bei dem Angriff verletzt.
  • In der Nacht zum Montag meldete die Miliz einen weiteren Drohnenangriff auf den Airport. Aus Saudi-Arabien selbst gab es bislang keine Bestätigung dafür.

Im Jahr 2002 begann das US-Militär im Jemen seinen Drohnenkrieg gegen die Terrororganisation al-Qaida. Seither gehört das Drohnensummen am Himmel für viele Jemeniten zum Alltag.

Ein Drohnenangriff - für 45 Dollar

Dass vom Jemen aus nun andere Staaten mit unbemannten Flugzeugen angegriffen werden, ist ein relativ neues Phänomen. Khaled al-Yamani, Außenminister der jemenitischen Regierung, schätzt, dass ein Drohnenangriff die Huthis nicht mehr als 45 US-Dollar kostet.

Mit einfachen Mitteln können die Rebellen Saudi-Arabien und seinen Verbündeten auch in Zukunft erheblichen Schaden zufügen. Direkt vor Jemens Küste liegt das Bab al-Mandab - die Meeresstraße, die das Rote Meer mit dem Indischen Ozean verbindet. Jedes Schiff, das auf dem Weg von Europa nach Asien den Suezkanal durchquert, muss auch hier durch.

Das Bab al-Mandab ist für den Welthandel ähnlich bedeutend, wie die Straße vor Hormus, in der in den vergangenen Wochen mehrere Tanker angegriffen wurden. Die USA und Saudi-Arabien machen Teheran für die Attacken verantwortlich.

Im vergangenen Jahr hatten die Huthis zwei saudi-arabische Öltanker am Bab al-Mandab beschossen und beschädigt. Daraufhin stoppte das Königshaus für mehrere Tage sämtliche Öltransporte durch die Meerenge.

In Riad ist die Sorge groß, dass Teheran bei einer weiteren Eskalation des Irankonflikts auch seine Verbündeten im Jemen zu Angriffen auf Schiffe im Roten Meer anstacheln könnte. Ein gleichzeitige Blockade der Straße von Hormus und des Bab al-Mandab wäre für Saudi-Arabien und seine Verbündeten eine Horrorvision.

Anders als proiranische Milizen im Libanon und im Irak brüsten sich die Huthis nicht mit ihren engen Kontakten nach Teheran. Sie betonen stets, es gehe ihnen allein um den Kampf gegen Korruption im Jemen und vermeiden den Eindruck, eine iranische Agenda zu verfolgen. Doch die wachsende Zahl der Porträts des iranischen Revolutionsführers Ajatollah Khamanei im Herrschaftsgebiet der Huthis zeigt, wem ihre Loyalität gehört.

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TomTheViking 17.06.2019
1. Vielleicht geht es den Jemeniten nicht um ein pro Iran...
Sondern eher um eine selbstständige Nation die nicht vom wahabitischen Norden als religiöse Kolonie betrachtet wird. Ganz ehrlich, würden die Perser alle Schiffe die Saudisches Öl abholen wollen in der Straße von Hormus versenken (Betonung vor der Beladung). Die Jemeniten alles was durch die Meerenge an ihnen vorbei ins Rote Meer will ernsthaft beschießen. Dann bliebe nur noch der weg mit kleinen Tankern durch den Suez Kanla, so billig kann saudisches Öl auch nicht sein das dies sich rechnet. Ganz klar, man muss auch nicht dutzende Schiffe versenken, ein bis zwei und die ernsthafte Drohung das dies weiter geht würde reichen. Ganz klar, die USA und die Saudis würden versuchen den Iran und den Jemen sowieso platt zu machen. Wenn hier dann aber die Chinesen und Russen die rote Karte zeigen ist man? Ende Gelände.Das China und Russland dazu bereit sind zeigt ihr Verhalten in Venezuela und Syrien. Verdammt schlechte Karten für die Kriegsverbrecher aus den USA und Saudi Arabien. Vielleicht sollte man doch nicht einen Krieg mit "Sender Gleiwitz" oder "Golf von Tonking" Methoden" provozieren und pragmatische Verhandlungen führen. Wer sich für Geschichte interessiert weiß wie so Krieg mit Lug und Betrug am eigenen Volk am Ende ausgeht.
vulcan 17.06.2019
2. 45 Dollar?
Eine 'Drohne' für 45 Dollar? Das ist doch wohl ein Witz und keine ernstzunehmende Waffe - sofern es überhaupt stimmt. Aber falls ja, braucht man sich darum zumindest keine Sorgen zu machen.
hansriedl 17.06.2019
3. Jemen Krieg
die Schande Europas. Der Jemenkrieg ist ein Glaubenskrieg, Sunniten gegen Schiiten. Und unsere Wertedemokratien der EU stellen sich hinter den Platzhirschen Salman und Trump, und verdienen sich durch Waffenverkäufe an den Kopfabschneider Salman Blutgeld. Was im Jemen abläuft ist ein Völkermord oder Genozid.
ghorbani98 17.06.2019
4.
Iran hat Glück! Die arabischen Regierungen sind dumm. Iran hat mit extrem wenig Geld und mit ausländischen Soldaten (durch Nutzung der jemenitischen Milizen) viel Saudi Arabien beschädigt. Saudi Arabien hat bislang ein Paar Hunderte Miliard Dollar verloren, Iran maximal ein Paar Millionen Dollar! Das ist ein billiger Krieg für den Iran, dank der Dummheit der arabischen Staaten!
widder58 18.06.2019
5. Nie vergessen
wer den Krieg angezettelt hat und wer den Schurkenstaat Saudi-Arabien mit Waffen beliefert.
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