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Konflikt mit Iran USA wollen Militärpakt für Straße von Hormus schmieden

Die eigene Marine späht aus, die Partner gehen auf Patrouille - so planen die USA im Iran-Konflikt die nächsten Schritte im Golf von Oman. Nun suchen sie Koalitionäre. Aus Teheran kommen Drohungen.

Die US-Regierung strebt eine internationale Militärkoalition an, um Schiffe im Golf von Oman zu schützen. Man stehe derzeit mit einer Reihe von Ländern in Kontakt, sagte Marine-General Joseph Dunford.

Angepeilt sei ein Zusammenschluss, der es Schiffen erlaubt, sich unter anderem sicher in der Straße von Hormus zu bewegen. In den kommenden Wochen werde man sehen, welche Nationen den politischen Willen hätten, sich der Initiative anzuschließen.

US-amerikanische Einheiten würden laut dem Plan für die Überwachung sorgen und Kommandoschiffe beisteuern, verbündete Marineeinheiten auf Patrouille gehen und Handelsschiffe eskortieren.

Die USA machen Iran für einen Angriff auf Tanker im Juni verantwortlich. Teheran weist alle Anschuldigungen zurück. Die Spannungen haben sich seitdem insbesondere durch den Abschuss einer US-Drohne durch Iran weiter verschärft. Der Golf von Oman liegt an Wasserstraßen, die für die weltweiten Öllieferungen von zentraler Bedeutung sind.

Im Video: Das Drama im Golf von Oman

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Drohung der Revolutionsgarden an Washington

Ein Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden warnte die USA laut einer Agenturmeldung, dass ihre Militärstützpunkte in der Region und ihre Flugzeugträger im Golf in der Reichweite iranischer Raketen lägen. "Unsere Raketen werden ihre Flugzeugträger zerstören, wenn sie einen Fehler machen", sagte Hossein Nedschat am Dienstag der Agentur Tasnim zufolge. "Den Amerikanern ist sehr wohl bewusst, welche Konsequenzen eine militärische Konfrontation mit Iran hätte."

Der Konflikt zwischen den beiden Ländern hatte sich in den vergangenen Wochen noch einmal verschärft, nachdem die USA ihre Sanktionen verstärkt hatten. Iran überschritt im Gegenzug bei der Anreicherung von Uran die nach dem Atomabkommen zulässigen Grenzen. Die iranische Atombehörde hatte selbst mitgeteilt, als Reaktion auf Sanktionen der USA einen Anreicherungsgrad von mindestens 4,5 Prozent erreicht zu haben. Zulässig nach dem Atomabkommen sind nur 3,67 Prozent. Bereits am 1. Juli hatte Teheran die zulässige Menge niedrig angereicherten Urans von 300 Kilogramm überschritten.

Appell an Teheran - Sondersitzung der IAEA

Die Außenminister Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und die EU hatten Iran am Dienstag aufgefordert, die Urananreicherung umgehend einzustellen. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) und seine Kollegen sowie die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini erklärten ihre "tiefe Besorgnis", dass Teheran "mehrere seiner Verpflichtungen" aus dem internationalen Atomabkommen von 2015 nicht mehr einhalte. Das Land müsse "unverzüglich zur uneingeschränkten Einhaltung" der Vereinbarung zurückkehren.

Das Nuklearabkommen von 2015 soll Iran am Bau von Atombomben hindern. Die USA waren im vergangenen Jahr aus der Vereinbarung ausgestiegen und hatten Wirtschaftssanktionen gegen Iran wieder eingeführt.

Am Mittwoch wird sich der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in einer Sondersitzung mit Iran beschäftigen. Nach Teherans Teilausstieg aus dem Abkommen ist die Vereinbarung vom Scheitern bedroht. Das Gremium aus Vertretern von 35 Ländern wird sich von IAEA-Chef Yukiya Amano über die Situation in Iran unterrichten lassen.

jok/Reuters/AP