Iran-Krise Chirac sinniert über Vernichtung Teherans durch Atombombe

"Teheran würde dem Erdboden gleich gemacht": Mit diesem Satz zur Atom-Krise hat Frankreichs Präsident Chirac weltweit Verwirrung ausgelöst. Er zog das Interview, in dem noch weitere streitbare Sätze zu Iran fielen, sofort zurück - rechtfertigte aber seine Aussagen.


Paris - Für sich genommen sei es nicht "gefährlich", wenn Iran Atombomben besäße, sagte Chirac am Montag den Journalisten von "New York Times", ihrem Tochterblatt "International Herald Tribune" und dem Pariser Magazin "Nouvel Observateur". "Wohin würde Iran diese Bombe schicken? Nach Israel? Sie würde keine 200 Meter in der Atmosphäre zurücklegen, und Teheran würde dem Erdboden gleich gemacht", habe Chirac gesagt.

Chirac: Verwirrende Aussagen über Teherans Atomprogramm
REUTERS

Chirac: Verwirrende Aussagen über Teherans Atomprogramm

Doch am Dienstag lud Chirac die Journalisten nochmals zu sich und nahm seine Äußerungen zurück. Die Journalisten sollten das Interview nicht drucken, sagte er. Seine Bemerkungen vom Vortag seien eine "extrem schematische Verkürzung" des Sachverhaltes, habe der französische Staatschef gesagt. Er nehme die Formulierung zurück. Die Äußerungen wurden trotzdem veröffentlicht.

In der Onlineausgabe der "New York Times" heißt es, das Gespräch mit Chirac sei aufgezeichnet worden und die Veröffentlichung vereinbart gewesen. "Ich hätte besser auf meine Worte achten sollen", sagte Chirac in einem zweiten Interview mit der Zeitung.

Laut "Nouvel Observateur" hielt Chirac aber seine Einschätzung aufrecht, dass "wenn Iran eine Atombombe besäße und diese gezündet würde, sie unmittelbar zerstört würde, bevor sie den iranischen Himmel verließe". Zudem würde es "unweigerlich Vergeltungs- und Zwangsmaßnahmen" geben. "Das ist das ganze System der nuklearen Abschreckung", sagte Chirac und fügte hinzu: "Was sehr gefährlich ist, ist die Weiterverbreitung."

Den Berichten zufolge hatte Chirac am Montag auch gesagt, es sei "sehr verlockend" für andere Länder mit viel Geld wie Saudi-Arabien und Ägypten, sich auf Atomwaffen vorzubereiten. Am Dienstag nahm er dem Magazin zufolge auch dies zurück und sagte, er wolle kein Land besonders herausheben.

Das Präsidialamt in Paris teilte mit, das Interview mit den drei Zeitungen habe sich um Umweltfragen gedreht. Das Thema Iran sei nur am Rande behandelt worden. Chiracs erste Äußerungen dazu seien "äußerst verdichtet, schematisch" ausgefallen; er habe gewünscht, die Journalisten erneut zu sehen, weil die Frage eine "vertiefte Behandlung" verdiene.

Die zweite Amtszeit des 74-jährigen Präsidenten läuft Mitte Mai aus. Es gilt als unwahrscheinlich, dass er sich noch einmal zur Wahl stellt.

Der Uno-Sicherheitsrat hat mit Unterstützung aus Frankreich Sanktionen gegen Iran verhängt, um die Regierung zur Einstellung der Urananreicherung zu zwingen. Die Präsidialverwaltung stellte am Donnerstag klar, am französischen Standpunkt habe sich nichts geändert.

als/AFP/AP



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