Streit um iranischen Tanker Gibraltar widersetzt sich den USA

Der iranische Supertanker "Grace 1" hat jetzt einen neuen Namen - und kann Gibraltar endgültig verlassen. Die Regierung des britischen Gebiets hat die US-Forderung abgelehnt, das Schiff zu beschlagnahmen.

Iranische Flagge an Bord der "Adrian Darya 1": Gibraltar will das Schiff nicht länger festsetzen
REUTERS/Jon Nazca

Iranische Flagge an Bord der "Adrian Darya 1": Gibraltar will das Schiff nicht länger festsetzen


Die USA sind mit dem Versuch gescheitert, den mit iranischem Öl beladenen Supertanker "Grace 1" per Verfügung an der Abfahrt aus Gibraltar zu hindern.

Die Behörden in Gibraltar verwiesen auf EU-Recht. Die USA hatten den Antrag auf Beschlagnahmung mit dem Verweis auf eigene Sanktionen gegen Iran begründet. Diese Sanktionen gelten, so die Begründung der Behörden des britischen Überseegebiets, weder in Großbritannien noch im Rest der Europäischen Union . "Das EU-Sanktionsregime gegen Iran unterscheidet sich fundamental von dem der Vereinigten Staaten", teilte Gibraltars Regierung mit.

Der Tanker kann die Gewässer Gibraltars nun verlassen. Derzeit liegt das Schiff noch immer östlich des britischen Überseegebiets vor Anker. Eine neue Crew soll den Tanker nun übernehmen, der nun unter iranischer Flagge fährt und inzwischen in "Adrian Darya 1" umgetauft wurde. Hossein Khanzadi, Oberkommandeur der iranischen Marine, hat angeboten, den Tanker mit einer militärischen Eskorte abzuholen.

Zusicherung Irans

Die Behörden in Gibraltar und die britische Royal Navy hatten den unter der Flagge Panamas fahrenden Tanker Anfang Juli wegen des Verdachts auf illegale Öllieferungen an Syrien festgesetzt. Zwei Wochen später setzte das Regime in Teheran den unter britischer Flagge fahrenden Tanker "Stena Impero" in der Straße von Hormus mit der Begründung fest, dieser habe gegen das Seerecht verstoßen. Die Vorfälle haben den Iran-Konflikt und die Spannungen am Persischen Golf verschärft.

Am Donnerstag gab das Oberste Gericht des britischen Überseegebiets an der Südküste Spaniens den Supertanker frei - nachdem Iran zugesichert hatte, die Ladung nicht nach Syrien zu bringen und damit die EU-Sanktionen gegen das Regime in Damaskus zu befolgen.

Daraufhin verfügte am Freitag ein Bundesgericht in der US-Hauptstadt Washington die Beschlagnahmung der "Grace 1" sowie des Öls an Bord und von knapp einer Million Dollar Bankvermögen einer Briefkastenfirma, die Verbindungen zu dem Schiff haben soll. Das Justizministerium begründete das in einer Mitteilung mit mutmaßlichen Verstößen gegen US-Sanktionen, gegen Geldwäschegesetze und gegen Terrorismusstatuten. Die Staatsanwaltschaft führte aus, das Schiff sei Teil eines Plans der iranischen Revolutionswächter zur Unterstützung des syrischen Regimes.

syd/AP/Reuters

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